35 Jahre Hilfe für Krebsbetroffene: Brandenburgische Krebsgesellschaft feiert Jubiläum
Als sich am 11. Oktober 1990 Sozialarbeiterinnen, Psychologen und Ärzte zur Gründung eines neuen Vereins zusammenschlossen, war die Situation für Krebsbetroffene in Brandenburg schwierig. Mit der Wiedervereinigung waren die bisherigen DDR-Strukturen im onkologischen Bereich weggefallen. Viele Menschen standen plötzlich ohne Ansprechpartner da.
Aus dieser Situation heraus entstand die Brandenburgische Krebsgesellschaft (BKG). Was zunächst als „Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschwulsterkrankungen“ begann, entwickelte sich in den vergangenen 35 Jahren zu einer festen Säule der Krebsversorgung im Land Brandenburg. Heute begleitet die BKG jährlich mehr Menschen denn je und setzt sich dafür ein, dass Krebsbetroffene nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich und sozial unterstützt werden.
Von Beginn an vertrat die Brandenburgische Krebsgesellschaft die Überzeugung, dass zu einer guten Krebsversorgung mehr gehört als Diagnostik und Therapie. Eine Krebsdiagnose verändert das gesamte Leben. Neben den gesundheitlichen Belastungen entstehen Ängste, finanzielle Sorgen und zahlreiche organisatorische Fragen. Hier setzt die psychosoziale Krebsberatung an. Qualifizierte Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen mit psychoonkologischer Zusatzausbildung beraten Betroffene und Angehörige kostenlos, vertraulich und unbürokratisch. Unterstützung gibt es bei sozialrechtlichen Fragen ebenso wie bei psychischen Belastungen oder der Rückkehr in den Alltag.
Die ersten zwei Jahrzehnte waren von Unsicherheit geprägt. Die Arbeit der BKG wurde überwiegend durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Projektmittel finanziert. Jahr für Jahr musste um die Fortsetzung der Angebote gerungen werden.
1995 eröffnete die erste Beratungsstelle in Potsdam. Vier Jahre später bezog die Gesellschaft ihren heutigen Hauptstandort in der Charlottenstraße 57. Der entscheidende Wendepunkt kam jedoch erst 2020, als die Krebsberatung erstmals staatlich gefördert wurde. Seitdem konnte die Brandenburgische Krebsgesellschaft ihr Beratungsangebot kontinuierlich ausbauen. Nach Potsdam entstanden weitere Standorte in Teltow (2022), Brandenburg an der Havel (2023) und Bad Belzig (2026). Die Geschäftsstelle in Potsdam koordiniert heute die Arbeit im Land Brandenburg.
Die Bedeutung der psychosozialen Krebsberatung zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Im Jahr 2025 nahmen 1.390 Menschen die Angebote der Brandenburgischen Krebsgesellschaft in Anspruch. Insgesamt wurden 2.095 Beratungsgespräche geführt – so viele wie noch nie zuvor.
Gleichzeitig haben sich die Bedürfnisse der Betroffenen verändert. Dank medizinischer Fortschritte überleben heute deutlich mehr Menschen eine Krebserkrankung. Doch viele kämpfen noch lange nach Abschluss der Behandlung mit Folgen wie chronischer Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder der Angst vor einem Rückfall. Hinzu kommen finanzielle Belastungen und Schwierigkeiten bei der Rückkehr ins Berufsleben. Die Beratung begleitet Menschen deshalb oft weit über die eigentliche Therapie hinaus.
Der demografische Wandel stellt die Krebsversorgung vor neue Aufgaben. Brandenburg gehört zu den Bundesländern mit einer besonders alten Bevölkerung. Da das Krebsrisiko mit dem Alter steigt, wächst auch der Bedarf an Beratung. Gleichzeitig werden die Wege in ländlichen Regionen länger. Arztpraxen schließen, öffentliche Verkehrsangebote werden reduziert. Für die Brandenburgische Krebsgesellschaft bedeutet das, neue Wege zu finden, um Menschen vor Ort zu erreichen – durch weitere Beratungsstellen, aufsuchende Angebote und digitale Formate.
Geschäftsführerin Raina Maria Lau brachte im Rahmen einer Jubiläums-Festveranstaltung den Kern der Arbeit dabei auf den Punkt: „Eine wirklich gute onkologische Versorgung erkennt den Menschen als Ganzes – mit seinen Ängsten, seiner Familie, seinen sozialen Fragen.“
Auch nach 35 Jahren sieht die Brandenburgische Krebsgesellschaft ihre Aufgabe noch lange nicht als erfüllt an. Ziel bleibt es, Beratungsangebote in allen Regionen des Landes erreichbar zu machen und die psychosoziale Krebsberatung dauerhaft als festen Bestandteil der Gesundheitsversorgung zu verankern.
Ein nächster Höhepunkt steht bereits bevor: Am 18. Juni lädt die BKG von 16.00 bis 19.00 Uhr zum Informationstag „Aktiv gegen Krebs“ auf den Bassinplatz in Potsdam ein. Mit Vorträgen, Mitmachaktionen und persönlichen Gesprächen möchte die Gesellschaft ihre Arbeit vorstellen und Menschen ermutigen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
35 Jahre nach ihrer Gründung ist die Brandenburgische Krebsgesellschaft damit vor allem eines geblieben: ein verlässlicher Begleiter für Menschen, deren Leben durch eine Krebserkrankung aus dem Gleichgewicht geraten ist.






