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Freitag, 15. Mai 2026

Albtraum in Traumlage​

Dahme-Spreewald, Königs Wusterhausen
Vereinsmitglieder des Rudervereins Lok Zernsdorf tragen Boote an Land. im Hintergrund sieht man den rrb-Bus und das neue Bootshaus.
Das neu gebaute Bootshaus (rechts) ist der Stein des Anstoßes. Baumängel und der daraus resultierende Rechtsstreit bringt den Ruderverein in eine existenzbedrohende finanzielle Lage. Fotos: Christina Petersen

Baumängel, eine insolvente Baufirma und ein Rechtsstreit – der Ruderverein Zernsdorf hat ein Bootshaus, das unbenutzbar ist und Angst um seine Existenz.​

26.000 Euro für Anwalt, Gutachter und Gericht, eine Bootshalle für 200.000 Euro, die nicht wirklich nutzbar ist und ein seit mehr als zwei Jahren andauernder Rechtsstreit – bislang ohne Aussicht auf ein Ergebnis oder Unterstützung. Damit sieht sich der Ruderverein ESV Lok Zernsdorf konfrontiert.​

Dabei herrschte 2021 noch große Freude, als der Förderantrag im Rahmen des Goldenen Plans Brandenburg bewilligt wurde. Ganze 150.000 Euro sollte der Verein für den Neubau seines Bootshauses bekommen. Mithilfe der Stadt Königs Wusterhausen, des Landkreises Dahme-Spreewald und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse konnte der Eigenanteil von 50.000 Euro gestemmt werden. Denn die Baufirma aus Nuthetal hatte insgesamt 200.000 Euro für den Bau veranschlagt. 

Eigentlich sollte das Bootshaus Mitte Dezember 2022 fertig und nutzbar sein. Im April 2026 ist man davon aber immer noch meilenweit entfernt. Boote liegen auf blankem Betonboden oder stapeln sich im Vereinsraum, der für die Vereinsarbeit nicht mehr nutzbar ist. Regale für das Bootshaus, in dem die Boote normalerweise gestapelt und platzsparend gelagert werden können, konnte der Verein noch nicht installieren. Dieser wirft der Baufirma nämlich mehrere Baumängel vor. Ein von ihnen bestellter Gutachter kommt zum gleichen Ergebnis: eine gerissene Bodenplatte, eine falsch verlegte Folie, die dafür sorgt, dass die Holzkonstruktion bereits Nässeschäden aufweist, eine fehlerhafte Abdichtung, die dazu führt, dass Wasser sogar in den angrenzenden Vereinsraum eindringt und ein unsachgemäß gedecktes Dach. 

„Wir haben schon mehrere Projekte wie unsere Steganlage, die PV-Anlage oder das Hausdach aus Fördermitteln finanziert, das hat auch immer alles gut geklappt“, so der Vereinsvorsitzende Falk Liebenthal, der zusammen mit seinen Mitgliedern mittlerweile um seinen Ruderverein am Krüpelsee bangt. Im Mai 2023 schaltete der Verein dann einen Anwalt ein und musste als Bürgschaft 70.000 Euro beim Gericht in Königs Wusterhausen hinterlegen.  Im Februar 2025 ging es dann erstmalig vor das Landgericht in Cottbus, welches den Bauunternehmer aufforderte, einen unabhängigen Gutachter zu bezahlen. Dem kam er nicht nach, stritt jegliche Mängel ab und ließ durch seine Anwältin ausrichten, er sei insolvent. 

Rechtsstreit bringt Verein in Notlage​

Eigentlich könnte alles so schön sein auf dem idyllischen Vereinsgrundstück am Krüpelsee in Zernsdorf. Seit 100 Jahren wird hier dem Rudersport gefrönt. Seit mittlerweile 75 Jahren auch im Rahmen des Vereins ESV Lok Zernsdorf. Doch seit ein paar Jahren trübt ein andauernder Rechtsstreit die Stimmung. Für den Neubau des alten Bootshauses, das bereits rund 100 Jahre auf dem Buckel hatte, hatte der Verein mithilfe von Fördergeldern eine Firma beauftragt. ​

Acht Monate nach Baubeginn stand dort ein neues Bootshaus mit vielen baulichen Mängeln – eine Einigung mit dem Bauunternehmer aus Nuthethal war nicht möglich, und der Fall landete vor dem Landgericht Cottbus und schwärt dort bereits seit mehr als zwei Jahren, da die Baufirma während des Prozesses Insolvenz angemeldet hat.

Rudervereinsmitglieder sind nicht die einzigen

„Der Bauunternehmer hat derweil bereits eine neue Firma gegründet“, so Liebenthal, der mit seinem Zernsdorfer Ruderverein nicht der einzige ist, der sich derzeit mit dem Bauunternehmen vor Gericht streitet. Wie die MOZ im vergangenen Dezember berichtete, ist auch eine junge Familie aus Bindow in der Gemeinde Heidesee betroffen. An ihrem freistehenden Einfamilienhaus hielten sich die Baumängel zwar in Grenzen, jedoch belaufen sich die Kosten nicht geleisteter Arbeiten am Haus auf 178.000 Euro. Geld, welches die Familie wohl durch die Insolvenz der Firma nicht wiederbekommen wird. Auch viele Google-Rezensionen lesen sich einstimmig: „unzuverlässig“, „nicht erbrachte Leistungen“, „schlechte Erreichbarkeit“. Ein Nutzer schrieb: „Eigentlich muss man 0 Sterne vergeben.“

Brandschreiben gehen raus

Die letzte Rechnung, die von der Baufirma gestellt wurde, hat der Verein aufgrund der Mängel nicht beglichen. Laut Gutachter würde es rund 90.000 Euro kosten, das Bootshaus so weit instandsetzen zu lassen, dass es benutzbar wäre. Das geht nicht nur ans Geld der Zernsdorfer Vereinsmitglieder, sondern auch spürbar an die Nerven. „Wenn sich das Verfahren noch weiter zieht oder wir vor Gericht verlieren, müssen wir den Verein wohl aufgeben“, erklärt Liebenthal. „Letztes Jahr hatten wir 75. Jubiläum, aber keinem hier war nach feiern zumute.“ Durch den andauernden Rechtsstreit und die baulichen Zustände vor Ort sei der Kinder- und Jugendsport so ziemlich zum Erliegen gekommen. Austritte gab es auch schon einige, berichtet der Vereinsvorsitzende, der zusammen mit seinen Mitgliedern zum Wanderrudern bereits in ganz Europa unterwegs war.

In seiner Not wandte sich der Ruderverein auch an die Lokalpolitik, an den Deutschen Bundestag und sogar direkt an Kanzler Friedrich Merz. Der sieht die Zuständigkeit bei der Brandenburger Landesregierung, diese nach Aussagen der Staatskanzlei vom März, den Fall prüfen und sich zurückmelden wolle. 

Falk Liebenthal und seine Vereinskollegen fühlen sich unterdessen hängengelassen. Ein Sicherheitsnetz gäbe es nicht, das Vereine in so einem Fall schütze, so Liebenthal. „Im Verein und in den Gebäuden stecken ja auch schon viele Fördermittel, das sind ja auch alles Steuergelder“, mahnt der Vereinsvorsitzende an. Falls keine Hilfe komme, rechne man bereits mit dem Ende des Rudervereins. 

Anfang des Jahres hat der Anwalt des Vereins einen Vergleich gefordert. Wenn der Ruderverein die hinterlegten 70.000 Euro zurückbekäme, müsse der Bauunternehmer im Gegenzug auf seine noch offenen Forderungen verzichten. Verkündigungstermin am Landgericht Cottbus ist für den 30. April anberaumt. 

„Selbst wenn wir die Summe wiederbekämen, reicht sie bei weiten nicht aus, um die Schäden an der Bootshalle zu reparieren und auch nicht für unsere Auslagen bei Gericht, Gutachter und Anwalt“, erklärt Falk Liebenthal.

Um mehr Aufmerksamkeit für die Notlage des Vereins zu bekommen und auf das strukturelle Problem aufmerksam zu machen, lud der Verein den rbb-Robur-Bus zu sich ein, der am 16. April auf das Vereinsgelände rollte. Unter anderem fordert der Verein politische, fachliche Unterstützung bei der weiteren Verfahrensführung und finanzielle Hilfe, insbesondere zur Abfederung der laufenden Rechts- und Gutachterkosten und eine parlamentarische Befassung mit der Frage, wie Sportvereine bei öffentlich geförderten Bauprojekten künftig wirksam geschützt werden können. 

Hausansicht

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