Antisemitismus in Brandenburg bleibt auf hohem Niveau – Potsdam besonders betroffen
Antisemitismus bleibt in Brandenburg auf einem besorgniserregend hohen Niveau – und macht auch vor Potsdam nicht halt. Der aktuelle Monitoringbericht der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg dokumentiert für das Jahr 2025 insgesamt 461 antisemitische Vorfälle. Das sind zwar 23 Fälle weniger als im Vorjahr, seit 2022 hat sich die Zahl jedoch mehr als verdoppelt.
Mit 53 dokumentierten Vorfällen gehört Potsdam zu den Städten mit den meisten antisemitischen Ereignissen im Land. Mehr Fälle wurden lediglich in Oberhavel (76) und Cottbus (57) registriert.
Nach Einschätzung der Fachstelle hat sich die Lage seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 dauerhaft verändert. Antisemitismus werde zunehmend offen und öffentlich geäußert – auf Straßen, im Internet und im Alltag. Staatssekretär Dr. Johannes Wagner warnte: „Antisemitismus wird in Brandenburg öffentlicher und unverhohlener. Das dürfen wir niemals hinnehmen.“
Besonders häufig ereignen sich antisemitische Vorfälle im öffentlichen und digitalen Raum. Dort werden Hassbotschaften, Gewaltaufrufe und antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitet. Durchschnittlich werde weiterhin mehr als ein antisemitischer Vorfall pro Tag in Brandenburg registriert, erklärte Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), dem Trägerverein der Fachstelle.
Fast die Hälfte aller dokumentierten Vorfälle (208) wird dem rechtsextremen oder rechtspopulistischen Spektrum zugerechnet. Die häufigste Erscheinungsform ist sogenannter Post-Shoah-Antisemitismus. Neben zahlreichen Fällen verletzenden Verhaltens verzeichnet der Bericht auch 58 Bedrohungen und 18 Angriffe.
Die Fachstelle betont, dass hinter jeder Statistik Menschen stehen, die ausgegrenzt, bedroht oder eingeschüchtert werden. Trotz verschiedener Maßnahmen des Landes zur Bekämpfung von Antisemitismus zeigt der Bericht, dass jüdisches Leben auch in Brandenburg und Potsdam weiterhin besonderen Schutz benötigt.






