Bahnverbindung als Wirtschaftschance für Am Mellensee: Güterwaggons statt nur Draisinen?
In Am Mellensee wurde schon zum dritten Mal über die Reaktivierung der früheren Königlich Preußischen Militäreisenbahn gesprochen. Die ist noch immer gewidmet.
Würde eine mögliche Reaktivierung der Königlich Preußischen Militäreisenbahn (KME) neue Chancen für die Gemeinde Am Mellensee und weitere Kommunen entlang der Strecke von Zossen bis Jüterbog bieten? Für Tobias Krüger, Bürgermeister von Am Mellensee, lautet die Antwort darauf ganz klar: Ja. Denn die Bahn ist für ihn und weitere Mitstreiter, die er am 18. September zur dritten Bahnkonferenz zur Reaktivierung der KME eingeladen hatte, die Lösung eines ansonsten scheinbar unlösbaren Problems. Ohne Infrastruktur gibt es in der sonst eher touristisch geprägten Gemeinde keine nennenswerte Ansiedlung – ohne Ansiedlung aber auch keine wirtschaftliche Rechtfertigung für den Ausbau der Infrastruktur. Zusammen mit der Stadt Zossen, der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, dem Landkreis Teltow-Fläming sowie den Stadtverwaltungen von Jüterbog und Luckenwalde wird daher daran gearbeitet, die alte Strecke zu reaktivieren. Der wohl größte Pluspunkt an der Geschichte: Die Strecke ist noch immer offiziell gewidmet, auch wenn auf ihr aktuell überwiegend Draisinen unterwegs sind.
Bei dem Treffen waren neben Vertretern der Kommunen und des Landkreises auch erfahrene Teilnehmer aus der Bahnbranche, der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie von privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen vor Ort, die teils seit Jahrzehnten mit der bahntechnischen Entwicklung der Region befasst sind und teils als Betreiber praktische Erfahrung mit privater Netznutzung im Güter- und Personenverkehr mitbringen. Aber auch Fachleute mit Erfahrung aus zahlreichen erfolgreichen Streckenreaktivierungen in Deutschland, der Eigentümer der Bahnstrecke – und vor allem Unternehmen, die schon heute und perspektivisch ein hohes Interesse daran haben, spürbare Gütermengen von der Straße auf die Schiene zu verlagern, waren eingeladen. Gerade letzteres ist ein entscheidender Punkt, da Fördermittel von Bund und Land für Streckenreaktivierungen längst nicht mehr so verfügbar sind wie früher – und ohne belastbare Nutzung wäre ein solches Projekt nicht realistisch. „Umso mehr freut es uns, dass wir erste wichtige und relevante Partner an unserer Seite wissen“, so die Gemeinde Am Mellensee im Nachgang des Treffens. Klar ist aber dennoch, dass das Projekt trotz überschaubarer planungsrechtlicher Hürden nicht kurzfristig umgesetzt werden kann. Dafür soll langfristig neben dem Güterverkehr – sobald wirtschaftlich tragfähig – auch der Personenverkehr eine große Rolle spielen und echten Mehrwert für die Region bringen.
Bei der Reaktivierung wird derzeit nur über den Abschnitt ab Zossen in Richtung Jüterbog mit seinen heute stillgelegten Bahnhöfen gesprochen. „Die Erfolgsaussichten steigen aber deutlich, wenn man weiterdenkt: entlang der Dresdener Bahn selbst, aber auch in Richtung Mittenwalde mit Anschluss an die Mittenwalder Bahn – möglicherweise bis zum Flughafen BER und weiter über Beeskow bis nach Frankfurt (Oder)“, so Tobias Krüger.
Im nächsten Schritt sollen dazu weitere Kommunen und Bedarfsträger entlang dieser Achsen eingebunden werden.






