Blackout: Katastrophenschutzübung in Am Mellensee testet Notfallsysteme
Der Zivilschutz in der Gemeinde Am Mellensee ist im September 2025 bei einer Großübung auf die Probe gestellt worden. Davon profitieren auch andere Kommunen.
Wie sehr ein großflächiger Stromausfall das Leben auf den Kopf stellen kann, hat sich zuletzt Anfang des Jahres in Berlin gezeigt. Schon vor diesem Ereignis wurde in der Gemeinde Am Mellensee geprobt, wie die Verwaltung auch bei einer Kaskade unvorhersehbarer Herausforderungen weiter handlungsfähig bleiben kann, um das Wohl der Menschen in der Gemeinde sicherstellen zu können. Bei einer großangelegten Katastrophenschutzübung mit mehr als 400 Beteiligten wurde all das Ende September 2025 auf die Probe gestellt. Es war ein Testlauf der vielen einzelnen Konzepte, die lange im Vorfeld ausgearbeitet worden sind. „Der Zivilschutz ist ein gesetzlicher Auftrag“, erklärt Am Mellensees Bürgermeister Tobias Krüger. „Wir bauen keinen Bunker, wollen aber auf alles grundsätzlich vorbereitet sein.“ Daher hat er viel Zeit und Arbeit investiert, um auch im Ernstfall vorbereitet zu sein – unterstützt von der Verwaltung und vielen Freiwilligen.
Die Vorbereitung
Um möglichst unabhängig der Herausforderungen agieren zu können, wurde in der Gemeinde ein ganzheitlicher, modularer und skalierbarer Ansatz gewählt, um die kommunale Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten und flexibel an unterschiedliche Lagen anzupassen. Eine klare Stabsstruktur, eine flächendeckende Präsenz in der Gemeinde, eine robuste und niedrigschwellige Kommunikation, die systematische Einbindung ehrenamtlicher Unterstützung sowie die Fähigkeit zur interkommunalen Zusammenarbeit stehen dabei gleichrangig nebeneinander. So verfügt die Gemeinde dank der Hilfe von Sponsoren unter anderem über ein eigenes Kommunikationsnetz zwischen den Ortsteilen und neben dem zentralen Katastrophenschutz-Leuchtturm auch über Infopunkte in Gadsdorf, Kummersdorf-Alexanderdorf, Klausdorf, Rehagen, Saalow und Sperenberg. Ein mobiler Verwaltungsstab sorgt dafür, dass die Verwaltung containerbasiert und in verschiedenen Größen – von der vollen Mannschaft bis hin zu einzelnen Personen – notfalls auch anderswo aushelfen kann. Und schließlich kommen viele ehrenamtliche Verwaltungshelfer zum Einsatz, die im Vorfeld ausgebildet werden und jederzeit einsetzbar sind. So kann die Verwaltung auch in den einzelnen Ortsteilen Ansprechpartner vorhalten, ohne dabei auf Einsatzkräfte beispielsweise aus der Feuerwehr zurückgreifen zu müssen, die im Ernstfall ja auch anderswo aktiv sein müssen. Dazu erhalten die Helfer unter anderem eine theoretische Grundausbildung zu Erster Hilfe, Dokumentation oder Module zum Funken.
Die Übung
Wie gut all diese Systeme funktionieren, wurde bei der Großübung getestet. Ausgangsszenario dafür war ein großflächiger Stromausfall, der große Teile der Region Berlin sowie des Landes Brandenburg betrifft, wodurch auch die Trinkwasserversorgung unterbrochen wird. Später fallen Festnetz und Mobilfunknetze aus, bei einem Feuerwehreinsatz müssen mehrere verletzte Personen aus einem Gebäude gerettet werden, eine Granate wird gefunden, ein Baum fällt in eine Hochspannungsleitung, Personen müssen aus dem Wasser gerettet werden, eine Pflegeeinrichtung braucht Unterstützung und weitere Ereignisse kommen hinzu. „Eigentlich ist das viel zu viel für eine Kommune“, gibt Krüger zu. Aber die Übung sei so angelegt worden, dass intensiv geübt werden könne. Und schließlich seien alles realistische Ereignisse, wodurch man gleich im Umfang und Ausmaß sehr intensiv die ausgearbeiteten Konzepte und Maßnahmen testen konnte.
Das Ergebnis
Inzwischen liegt die Auswertung vor, von der nicht nur die Gemeinde selbst profitieren kann. „Es gibt einige Punkte, bei denen wir jetzt wissen, dass wir dort noch einmal ansetzen müssen“, sagt Bürgermeister Krüger. Dazu gehört etwa, dass für die mehr als 70 ehrenamtlichen Verwaltungshelfer beispielsweise die Funk-Ausbildung noch weiter ausgebaut werden kann – damit die Helfer jederzeit startklar sind. Zudem habe sich gezeigt, dass es trotz der bisherigen Unterstützung der Sponsoren weiterhin Investitionsbedarf gebe.
Schon jetzt stößt die Auswertung zunehmend auf das Interesse anderer Kommunen. „Viele Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, können sich andere abschauen“, sagt Krüger. Sie könnten von der Vorarbeit profitieren. „Wir haben etwa ein Jahr zur Vorbereitung gebraucht. Wenn jetzt eine andere Kommune daran anknüpfen möchte, kann sie das in einem halben Jahr schaffen.“





