Gegen Ausgrenzung: Jugendliche inszenieren „Professor Mamlock“ in Potsdam neu
Was bedeutet es, zum Außenseiter gemacht zu werden? Und wie mutig sind wir, wenn andere ausgegrenzt und diskriminiert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Jugendprojekt MAMLOCK, das am Donnerstag, 27. August, um 19.00 Uhr auf der Inselbühne Potsdam Premiere feiert.
Elf Jugendliche aus Potsdam und Umgebung haben sich über den Sommer mit Friedrich Wolfs 1933 entstandenem Theaterstück „Professor Mamlock“ auseinandergesetzt und den historischen Stoff in eine zeitgemäße Bühnenfassung überführt. Die Inszenierung rückt die Geschichte über Ausgrenzung und Verfolgung im Nationalsozialismus bewusst in die Gegenwart. Musik, Tanz, Energie und Spielwitz sollen dabei einen Zugang für ein heutiges Publikum schaffen.
Professionell begleitet wird das Jugendprojekt von den Regisseurinnen Marita Erxleben und Isabel Stahl. Die Dramaturgie übernimmt Kaspar von Erffa, künstlerischer Leiter der Inselbühne. Die Rolle des Professor Mamlock spielt der Schauspieler Johannes Heinrichs, der zugleich das Schauspieltraining der Jugendlichen leitet. Für die Ausstattung ist Bühnenbildnerin Annika Konitzki verantwortlich.
Ein historischer Stoff mit aktueller Botschaft
„Professor Mamlock“ erzählt die Geschichte des jüdischen Chirurgen Hans Mamlock, der nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft zunehmend aus seinem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld verdrängt wird. Kollegen und selbst enge Freunde wenden sich von ihm ab. Mamlocks Sohn Rolf fordert seinen Vater auf, sich den neuen Machthabern entgegenzustellen. Doch Mamlock erkennt erst spät, dass weder sein gesellschaftliches Ansehen noch seine medizinischen Fähigkeiten ihn und seine Familie vor rassistischer Verfolgung und Willkür schützen können.
Friedrich Wolf, selbst Jude und Kommunist, verarbeitete in dem Stück auch eigene Erfahrungen. Die zunehmende Ausgrenzung zwang ihn und seine Familie schließlich zur Flucht aus Deutschland. „Professor Mamlock“ wurde 1934 in Tel Aviv uraufgeführt und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Werke Wolfs. In der DDR wurde das Stück vielfach aufgeführt und gehörte zur Pflichtlektüre der 9. Klassen. 1961 verfilmte Wolfs Sohn Konrad Wolf den Stoff für die DEFA.
Für Kaspar von Erffa liegt die Aktualität des Stücks auf der Hand: „Die Inszenierung verdeutlicht, dass die Verdrängung von Andersdenkenden leider kein historisches Phänomen ist.“ Zugleich zeige das Engagement der Jugendlichen, „wie wichtig und wirkungsvoll es ist, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen und Haltung zu zeigen“. Die außergewöhnliche Inszenierung soll dazu ermutigen, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus zu stellen.
Drei Aufführungen auf der Inselbühne
Nach der Premiere am Donnerstag, 27. August, um 19.00 Uhr folgen zwei weitere Vorstellungen am Samstag, 29. August, um 19.00 Uhr und am Samstag, 5. September, ebenfalls um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Platzreservierungen sind nicht möglich.
Ermöglicht wird das Projekt durch die Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Die Inselbühne ist ein Projekt der Potsdamer Bürgerstiftung.






