Geschichte einer NS-Freilichtbühne in Werder: „Von Thing-Feiern zu Karl-May-Festspielen“
Eine Freilichtbühne am Südrand des Werderaner Stadtparks erinnert heute auf den ersten Blick vor allem an Theater, Kultur und sommerliche Veranstaltungen. Ihre Entstehungsgeschichte führt jedoch zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Ein Vortrag von Dr. Wolfgang Jansen beleuchtet die Geschichte der Werderaner Freilichtbühne – von ihrer Funktion als nationalsozialistische Thingstätte bis zu späteren Karl-May-Festspielen.
Der Ausgangspunkt liegt im Frühjahr 1934. Am 23. April traf sich Alfred Lindemann, Leiter der kurmärkischen Reichspropagandastelle, mit zwölf Gemeindevertretern aus dem Gau Kurmark sowie Wilhelm Carl Gerst, dem geschäftsführenden Vorsitzenden des „Reichsbunds der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele“. Gemeinsam gründeten sie die „Kurmärkische Spielgemeinschaft für nationale Festgestaltung“. Hintergrund war eine Anordnung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und Gauleiters Wilhelm Kube. 14 neuartige Freilichtspielstätten, sogenannte Thingplätze, sollten entstehen. Sie waren Teil der nationalsozialistischen Kulturpolitik und sollten an „kultischen Stätten völkischen Erlebens“ eine neue Form des künstlerischen Erlebens im nationalsozialistischen Geist schaffen.
Werder setzte die Vorgaben besonders schnell um. Am Südrand des Stadtparks, unmittelbar neben dem sogenannten „Heldenhain“, dem Gedenkort für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, entstand innerhalb von gut zwölf Monaten die erste Thingstätte Brandenburgs. Damit nahm die Havelstadt eine besondere Stellung in der Geschichte der nationalsozialistischen Freilichtbühnen ein.
Doch die Geschichte der Bühne endete nicht mit dem Nationalsozialismus. Über die Jahrzehnte veränderten sich ihre Nutzung, ihr Spielplan und ihre Bedeutung. Aus dem einst ideologisch geprägten Veranstaltungsort wurde ein Schauplatz anderer Formen des Freilichttheaters. Einen besonderen Platz in der späteren Geschichte nehmen dabei die Karl-May-Festspiele ein.
Der Vortrag im Rahmen der Reihe Werderaner Gespräche am 15. September um 19.00 Uhr im „Schützehaus“, Uferstraße 10, von Dr. Wolfgang Jansen zeichnet diese Entwicklung nach und stellt dabei sowohl die besondere architektonische und gestalterische Charakteristik der Bühne als auch die wechselnden Spielpläne in den Mittelpunkt. Zugleich ordnet er die Entstehung der Freilichtbühne in den zeitgeschichtlichen Kontext der nationalsozialistischen Kultur- und Propagandapolitik ein.






