Gips für Berlin
Vor 170 Jahren wurde der erste Spatenstich für den Nottekanal gesetzt. Doch die Geschichte der Wasserstraße begann schon viel früher.
Am heutigen Samstag feiert der Nottekanal einen besonderen Geburtstag. Vor 170 Jahren, am 6. Juni 1856, wurde der erste Spatenstich zum Aus- und Umbau des Nottefließes an der Mündung des Zülowgrabens gesetzt, der sich heute zwischen KW und Mittenwalde an der A13 befindet. „Das Nottefließ ist eines der ersten kanalisierten Wasserwege in der Region“, erklärt Ortschronist Oliver Nippert. Bereits 1555 erließ Kurfürst Joachim II eine Anordnung, das Nottefließ für die Verschiffung von Gips nach Berlin zu nutzen, da Fuhrwerke zu lange unterwegs waren. „Dabei wurde der Wasserverlauf nicht großartig verändert – nur lediglich die Uferkante befestigt mit Holz. Nur an den Überfahrten der Furt wurde nicht befestigt, dort war das Wasser flacher und man konnte zu Fuß oder mit dem Wagen diese Stelle überqueren“, so Nippert. „Das Nottefließ war zu jener Zeit nicht breit gewesen, so drei bis fünf Meter grade mal und es gab unzählige Windungen des Wasserlaufes.“
Das Nottefließ wurde auch dazu genutzt, um Wassermühlen zu betreiben. Dazu wurde Wasser durch Dämme angestaut. Um die Schiffe nicht an jedem Damm umladen zu müssen wurden, Schleusen oder Klappbrücken eingerichtet. Das stieß nicht bei allen Anwohnern auf Zustimmung. Die Bauern konnten wegen der hölzernen Uferbefestigung ihr Vieh nicht gut tränken, deshalb kam es häufiger zu Zerstörungen. Auch der Müller hatte bei den Bauern vor Ort keinen guten Stand, da durch die Anstauung oftmals auch die Wiesen und Äcker überschwemmt wurden. 1646 bis 1649 wurde das Nottefließ neu vermessen, um es wieder schiffbar zu machen. Aber nur mit geringem Erfolg, denn die Kanalisierung stieß weiterhin auf großen Widerstand. Das änderte sich über die Jahrhunderte, denn 1836 forderten die Anwohner und Gemeinden selbst, die Uferbefestigung zu erhalten.
„Die Jahre der Industrialisierung begannen, das Leben wurde schneller, durch Dampfmaschinen und neue Techniken in der Industrie konnte mehr produziert werden. 1854 wurde ein Meliorationsprojekt vorgestellt und ein Verband gegründet, dessen Statut König Friedrich Wilhelm 1856 zur Regulierung des Nottefließes erließ. So kommen wir zum ersten Spatenstich am 6. Juni 1856, der den Verlauf des Nottefließes zu seinem heutigen Nottekanal änderte“, erklärt Oliver Nippert.
Aus den veranschlagten vier Jahren Bauzeit wurden über sieben Jahre: Der 1864 fertiggestellte Kanal kostete 431.366 Taler. Der Verband zur Regulierung des Nottekanals fuhr recht gute Bilanzen ein, da mittlerweile auch Holz geflößt wurde. Die Schleusungen waren kostenpflichtig und nach Größe und Personenzahl berechnet. „Doch die moderne Technik entwickelte sich rasch, sodass nur wenige Jahre nach dem Nottekanalbau die Eisenbahn vorbeirauschte“, berichtet der Ortschronist. Mit dem Einsatz dieses neuen Transportmittels hatte der Nottekanal seine aktivsten Jahre hinter sich, da Güter per Schienenverkehr schneller transportiert werden konnten.

„So sind wir hier in Königs Wusterhausen zu einem Kanal gekommen, der einst ein Fließ war und ein Teil der Grenze zu Sachsen war. An einigen Stellen findet man noch Reste von unseren Nottefließ wie bei Aldi oder zwischen der Hermann Voigt Straße und dem Finkenweg“, so Oliver Nippert.






