Gottesanbeterin breitet sich in Brandenburg aus – jede Sichtung zählt
Sie sitzt regungslos zwischen Gräsern oder auf einem Strauch, bis sie blitzschnell zuschlägt: Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den faszinierendsten Insekten Mitteleuropas. Wer ihr in diesem Sommer begegnet, kann nicht nur eine außergewöhnliche Entdeckung machen, sondern auch die Forschung unterstützen. Das Naturkundemuseum Potsdam und die Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg rufen Naturfreunde dazu auf, Sichtungen der auffälligen Fangschrecke zu melden.
Die Chancen, eine Gottesanbeterin zu entdecken, stehen derzeit besonders gut. Die zwischen Mai und Juni geschlüpften Tiere sind inzwischen deutlich gewachsen.
Noch vor knapp 20 Jahren galt die Europäische Gottesanbeterin in Brandenburg als Exotin. Erst 2007 wurde sie erstmals nachgewiesen. Seitdem hat sich die wärmeliebende Art kontinuierlich ausgebreitet. Heute ist sie in weiten Teilen Brandenburgs heimisch und inzwischen sogar aus allen Berliner Bezirken gemeldet worden.
„Die Gottesanbeterin eignet sich besonders gut, um die Ausbreitung wärmeliebender Arten zu untersuchen. Durch ihre auffällige Erscheinung ist sie leicht zu erkennen und liefert uns wertvolle Hinweise darauf, wie sich Arten infolge veränderter Umweltbedingungen neue Lebensräume erschließen“, sagt Dr. Dirk Berger, Entomologe sowie Sammlungs- und Ausstellungskonservator am Naturkundemuseum Potsdam.
Jede Beobachtung ist für die Wissenschaft wertvoll. Wer eine Gottesanbeterin entdeckt, kann die Sichtung mit wenigen Klicks auf der Internetplattform www.gottesanbeterin-gesucht.de melden. Benötigt werden lediglich ein Foto, der Fundort und einige wenige Angaben. Nach der Prüfung durch das Projektteam erscheint der Fund auf einer öffentlichen Verbreitungskarte.
Die Beteiligung ist bereits beachtlich: Seit dem Start der Plattform im Jahr 2023 wurden bundesweit mehr als 28.500 Beobachtungen gemeldet, fast 23.000 davon stammen aus Berlin und Brandenburg. Allein im vergangenen Jahr gingen 13.943 Meldungen ein – so viele wie noch nie. „Jede einzelne Beobachtung hilft uns, die weitere Ausbreitung der Art besser zu verstehen. Wir hoffen, den Rekord aus dem vergangenen Jahr in diesem Sommer erneut zu erreichen“, sagt Berger.
Besonders aktiv sind die Naturbeobachter im Landkreis Teltow-Fläming mit mehr als 3.600 gemeldeten Gottesanbeterinnen. Dahinter folgen Potsdam-Mittelmark mit über 3.200 und Dahme-Spreewald mit 2.307 Nachweisen. Auch in Potsdam wurden bereits 1.291 Tiere erfasst.
Wer die Gottesanbeterin noch nie gesehen hat, sollte in den kommenden Wochen aufmerksam die Augen offen halten. Das markante Insekt mit den langen Fangbeinen ist unverwechselbar – und jede Entdeckung hilft dabei, mehr über die Folgen des Klimawandels und die Ausbreitung wärmeliebender Tierarten zu erfahren.






