Kritik an Jugendamt im Landkreis Teltow-Fläming
Im Landkreis Teltow-Fläming wächst der Unmut betroffener Familien über aus ihrer Sicht unzureichende und verspätete Hilfen für Kinder mit Unterstützungsbedarf. In einem offenen Brief kritisieren Eltern und Angehörige strukturelle Verzögerungen, bürokratische Hürden, fehlende Erreichbarkeit des Jugendamtes und eine ihrer Ansicht nach unzureichende Umsetzung von Leistungen der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII.
Im Zentrum der Kritik steht der Vorwurf, dass Kinder trotz nachgewiesenem Bedarf nicht rechtzeitig die notwendige Unterstützung erhalten. Nach Angaben der Verfasser würden medizinische Diagnosen und fachliche Einschätzungen häufig nicht zeitnah zu Hilfen führen. Stattdessen vergingen mitunter Monate oder sogar Jahre, in denen sich schulische, soziale und psychische Probleme der Kinder weiter verschärften.
Besonders kritisch sehen die Familien den verstärkten Verweis auf sogenannte persönliche Budgets. Diese würden in der Praxis dazu führen, dass Eltern selbst Fachkräfte suchen, Verträge organisieren und die Versorgung ihrer Kinder sicherstellen müssten. Aus Sicht der Betroffenen werde damit Verantwortung vom Hilfesystem auf die Familien verlagert. Viele Eltern erlebten dies nicht als Selbstbestimmung, sondern als Überforderung.
Zu den weiteren Vorwürfen zählt die aus Sicht der Familien mangelnde Erreichbarkeit des Jugendamtes. Seit Monaten sei eine reguläre telefonische oder persönliche Kontaktaufnahme kaum möglich, Rückmeldungen blieben oft aus. Dadurch würden Verfahren zusätzlich verzögert und Familien in Krisensituationen allein gelassen.
Auch bei der Zusammenarbeit mit Leistungserbringern sehen die Verfasser des Briefes Probleme. Verzögerungen oder Wegfälle von Verträgen hätten zur Unterbrechung laufender Hilfen geführt, obwohl bereits Bescheide vorgelegen hätten. Zudem werde ein Mangel an spezialisierten Angeboten im Landkreis beklagt. In einigen Fällen würden Anträge auf Schulbegleitung nach Angaben der Familien nicht mehr angenommen.
Die Folgen für betroffene Kinder seien gravierend, heißt es weiter: schulische Rückstände, Ausgrenzung, Mobbing, Schulverweigerung, Angststörungen und psychosomatische Beschwerden. Langfristig sei auch die Entwicklung von Bildungschancen, Gesundheit und Selbstvertrauen gefährdet.
Die Verfasser des offenen Briefes fordern deshalb eine sofortige, bedarfsgerechte Hilfe, eine verlässliche Erreichbarkeit des Jugendamtes, ausreichend verfügbare Unterstützungsangebote sowie mehr Transparenz und politische Verantwortung. Vor allem aber müsse Kindern schneller geholfen werden, lautet ihre zentrale Botschaft: „Kinder können nicht warten.“
Betroffene Eltern sind aus ihrer Sicht keine Einzelfälle. Sie haben sich zu einem Netzwerk „Action betroffener Familien“ zusammengefunden. Neben dem offenen Brief, der beim Jugendhilfeausschuss des Landkreises Teltow-Fläming am 10. Juni verlesen wurde und für reichlich Diskussion unter den Anwesenden sorgte, meldeten sich weitere Betroffene auch beim „Blickpunkt“.
Einzelne Eltern scheuen inzwischen nicht mehr den Gang vor Gericht. Doch solche Verfahren ziehen sich oft über ein Jahr oder länger hin, bevor überhaupt verhandelt wird. Diese Zeit wollen sie sich – im Interesse ihrer Kinder – nicht leisten.
Nun konnten die Elt
rn erreichen, dass am Mittwoch, 12. August, eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses einberufen wird. Betroffene, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber nicht mehr die Kraft aufbringen, immer wieder Unterlagen einzureichen oder Widersprüche zu verfassen, werden gebeten, sich beim Netzwerk „Action betroffener Familien“ per E-Mail an action-familien-hilfe@gmx.de zu melden.
Ziel ist es, deutlich zu machen, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handele. Zugleich soll auf diesem Weg die notwendige Hilfe und Unterstützung für die Kinder zügig und rechtskonform durchgesetzt werden.






