Kunst im Museumsdorf Glashütte: Retrospektive auf Werke von Bolender und Horenk
Am Sonntag, 13. September 2026, wird mit „Ansichten – Durchsichten. Zwei Blickweisen“ eine neue Ausstellung mit Arbeiten von Beate Bolender und Norbert Horenk im Museum Baruther Glashütte, Hüttenweg 20, um 14 Uhr eröffnet. Die Schau ist eine Retrospektive auf die Werke der beiden Glaskünstler, die die Betrachter dazu einlädt, die Gespräche zwischen Materialien und Techniken, die die gezeigten Kunstwerke führen, auf sich wirken zu lassen. Beate Bolender und Norbert Horenk nutzen die Materialeigenschaften des Glases für starke visuell-ästhetische Erlebnisse. Das „Kunstduo Bolender-Horenk“ zeigt sich nicht nur technisch und konzeptionell weltoffen, sondern wählte auch wechselnde, teils exotische Schaffensorte. Beide reagieren auf die Ambivalenz des Werkstoffes und die zuweilen zufälligen Ergebnisse der Ofenarbeit mit poetischen und augenzwinkernden Werkbezeichnungen. Man begegnet dem „Aufmüpfigen“ und „Brain-Cube“ oder „Kleine Bühne“.
Zu den Künstlern
Beate Bolender, 1946 in Delitzsch geboren, studierte zunächst an der Pädagogischen Hochschule in Dresden und arbeitete bis 1977 als Kunstpädagogin. Es folgte die handwerkliche Ausbildung zur Kunstglaserin und Glasmalerin bei der Denkmalpflege in Dresden. Seit 1979 arbeitete sie als selbständige Glasgestalterin in ihrer eigenen Werkstatt. Neben der Restaurierung von denkmalgeschützten Fenstern gewann Glaskunst eine zunehmende Bedeutung. Es entstanden architekturbezogene Glasgestaltungen und Skulpturen. Das Gaststudium an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee (Glasseminar Karl Hartwig) und die Zusammenarbeit mit dem Baukeramiker Jürgen Sandig ermöglichten neue Glassschmelzprozesse, die Beate Bolender für ihre Glasarbeiten in Fusing-Technik nutzte. 1988 absolvierte sie die Meisterausbildung an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung, Burg Giebichenstein, Halle. Die Werkstatt Beate Bolenders in Kasel-Golzig (Niederlausitz) entwickelte Beate Bolender zu einem Ort, an dem „Kunst und Handwerk gleichberechtigt zusammentreffen (Norbert Schirmer, 2015).“ Die frei Kunst Bolenders wählt wesentlich das Skulpturale – als Relief und als Vollplastik. Hierzu verwendet die Künstlerin Gipspositive, in deren Abformungen das Fusing-Glas zum Werk verschmilzt. Herbert Schirmer erkennt in ihnen die Bündelung von emotionalen Impulsen und feierlichem Ernst. „So, wie sie das Potenzial des Werkstoffes Glas phantasievoll nutzt, Transparenz und optische Leichtigkeit aus der Form entstehen lässt und beeindruckende Farbbrillanz und Lichtbrechung in ihre Glasobjekte bringt, geht es immer auch darum, etwas vorher nicht da Gewesenes, so nicht Gesehenes zu schaffen.“
Norbert Horenk, 1946 in Berlin geboren, kommt als Glasbläser von der Umformung des Glases. Seit 1965 arbeitete er als Glasapparatebläser an der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1978 gründete er eine eigene Werkstatt und errang 1979 den Titel „Meister des Glasbläserhandwerks“. Künstlerisch schloss er sich der Gruppe der aufbrechenden Studioglaskünstler und -künstlerinnen in Lauscha a, die sich seit 1963 auf neue Weise der Glaskunst widmeten. Eine wichtige gestalterische Bereicherung fand Norbert Horenk in seinem Mentoren Hartmut Bechmann und einigen Designer aus dem Amt für industrielle Formgestaltung. Als Künstler wählt er dreidimensionale Grundformen als Bildträger seiner hüttentechnischen Malerei. Er fertigt an der Lampe Glasfolien, welche er angewärmt auf den vom Glasmacher im Glasstudio vorgefertigten Glaskörper auflegt. Es entsteht ein Werk in Glaskombination. Das klassisch geformte Hohlgefäß erlebt im Schaffen Norbert Horenks eine Metamorphose. „Es ist eine bewegte, fabulierende, von animalisch vegetabilen Kräften durchpulste Welt. (…) Bewegung, Verwandlung, Aktion und Dekoration, unter diesen Aspekten formuliert Norbert Horenk seine bildnerischen Themen. (…) Aus diesem diffizilen Geflecht von Farbe, Licht, Bewegungsspiel der Formen ergeben sich spannungsvolle Assoziationen, die zwischen Schwingen und Schweben, Binden und Lösen, Steigen und Sinken liegen. (Schirrmacher, 2003). Die abstrakte Beziehung von „Glas und Geist“ fängt Norbert Horenk in einer anderen Werkreihe ein. In Glaskuben versammelt er ideale Glaskörper. „Durch Reihung, Schichtung und wechselnder Ausrichtung (bilden sie) eine Struktur mit hohem Ordnungsgrad, eine gewollte Ordnung, die in ihrer angedeuteten Komplexität an die menschliche Schaltzentrale, das Gehirn, zu verweisen scheint. (Pollok, 2014).“
Die Ausstellung kann bis 7. Februar 2027 immer dienstags bis sonntags sowie feiertags zwischen 10 und 17 Uhr besucht werden.






