Luckenwalde: Ein Stadtbad als Werkstatt der Demokratie
Während anderswo über die Krise der Demokratie geredet wird, baut Luckenwalde sie einfach neu auf, und zwar dort, wo sie hingehört: mitten in der Stadt, mitten im Leben. Das „Trio Luckenwalde“, bestehend aus dem E-WERK Luckenwalde, der Akademie 2. Lebenshälfte und der Stadt Luckenwalde, hat sich mit dem Projekt „Stadtbad für Alle – Luckenwalde gestaltet Zukunft“ bundesweit gegen 294 Mitbewerber durchgesetzt. Das Vorhaben gehört zu den 15 ausgewählten Projekten im Förderprogramm „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ der Robert Bosch Stiftung GmbH und des Bundesverbands Soziokultur e.V.
Das Stadtbad Luckenwalde, 1928 im Stil der Klassischen Moderne errichtet und nach 35 Jahren Leerstand derzeit als „Nationales Projekt des Städtebaus“ mit Bundesmitteln saniert, wird zur Bühne eines Experiments: Kann ein Ort, der einst allen gehörte, wieder zu einem Ort für alle werden und dabei zur Werkstatt gelebter Demokratie? „Das Stadtbad war immer mehr als ein Schwimmbad. Es war der Ort, an dem Luckenwalde sich selbst begegnet ist. Jetzt haben wir die einmalige Chance, diesen Ort nicht nur baulich wiederzubeleben, sondern ihn neu zu erfinden – als einen Raum, in dem die Stadtgesellschaft gemeinsam verhandelt, wie sie zusammenleben will. Das ist keine Nostalgie. Das ist Zukunft“, so Jochen Neumann, Bürgermeister der Stadt Luckenwalde
Wo Demokratie wirkt
Das Trio setzt auf einen Perspektivwechsel: Demokratiearbeit gehört nicht in den Sitzungssaal, sondern dorthin, wo Menschen sich ohnehin aufhalten. Stammtische auf dem Stadtbad-Vorplatz, Begegnungsformate im Kebaphaus Luckenwalde, einem täglich hochfrequentierten Alltagsort direkt nebenan, Baustellenführungen und aktivierende Befragungen im Stadtraum: Das Projekt holt die Bürgerschaft nicht ab, es geht zu ihr hin. „Wir wollen keine Bürger*innenbeteiligung, die auf dem Papier stattfindet“, sagt Pablo Wendel vom E-WERK Luckenwalde. „Wir wollen echte Mitträgerschaft. Menschen, die das Stadtbad nicht nur nutzen, sondern die es in der Hand halten.“
Die Akademie 2. Lebenshälfte bringt dabei ihre jahrzehntelange Erfahrung in aufsuchender politischer Bildung ein: Werte-Wanderungen, Dialogspaziergänge, Gesprächsformate, die Perspektivwechsel ermöglichen und biografische Anknüpfungspunkte schaffen. „Ältere Menschen, die hier schwimmen lernten und jüngere Generationen, die den Ort neu entdecken, diese Begegnung ist politische Bildung in ihrer wirkungsvollsten Form“, erklärt Anke Pergande von der Akademie 2. Lebenshälfte.
Von der Sanierung zur Selbstverwaltung
Die bauliche Sanierung des Stadtbads ist durch rund zwei Millionen Euro Bundesmittel gesichert. Was bisher fehlte, war die Antwort auf die entscheidende Folgefrage: Wer trägt diesen Ort, wenn die Bauzäune fallen? Das Trio prüft in den kommenden Jahren verschiedene Träger- und Betreibermodelle und entwickelt gemeinsam mit der Bürgerschaft ein Organisationsmodell, das das Stadtbad dauerhaft als demokratischen Begegnungsraum sichert.
Die Wiedereröffnung und das 100-jährige Jubiläum des Stadtbades sind dabei mehr als symbolische Daten. Sie sind der Startschuss für einen Betrieb, der zeigen soll: Gemeinschaftliche Selbstorganisation funktioniert. Und Luckenwalde kann damit Vorbild für andere ostdeutsche Mittelstädte sein, die vor denselben Fragen stehen.
Das E-WERK Luckenwalde, selbst ein ehemaliges Braunkohlekraftwerk von 1913, das seit 2019 als regeneratives Kunstkraftwerk betrieben wird und CO2-neutralen Strom liefert, steht dabei für eine Haltung, die das gesamte Projekt prägt: Transformation ist möglich. Aus dem Alten entsteht etwas Neues, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
Das Trio Luckenwalde lädt alle Bürger ein, diesen Prozess von Anfang an mitzugestalten. Wer Lust hat, das Stadtbad der Zukunft zu denken, ist herzlich willkommen: auf dem Vorplatz, im Kebaphaus oder bald im Stadtbad selbst. Um über die nächsten Schritte informiert zu bleiben, können sich Interessierte per E-Mail an info@kunststrom.com mit dem Stichwort: „Stadtbad für Alle!” melden.
Über das Förderprogramm
„Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ ist ein gemeinsames Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung GmbH und des Bundesverbands Soziokultur e.V. Es unterstützt Trios aus Soziokultur, politischer Bildung und Alltagsorten bei der Entwicklung niedrigschwelliger Demokratiearbeit. Aus 295 bundesweiten Bewerbungen wurden fünfzehn Projekte für eine Förderung ausgewählt.






