Mehr
Dienstag, 18. August 2026

Luckenwalde: Ein Stadtbad als Werkstatt der Demokratie

Luckenwalde
Stadtbad
Von der Idee zur Mitmach-Stadt: Jochen Neumann, Liza Baranowski, Anke Pergande, Pablo Wendel (v.l.n.r.) treiben das Stadtbad-Projekt voran.Foto: Stadt Luckenwalde

Während anderswo über die Krise der Demokratie geredet wird, baut Luckenwalde sie einfach neu auf, und zwar dort, wo sie hingehört: mitten in der Stadt, mitten im Leben. Das „Trio Luckenwalde“, bestehend aus dem E-WERK Luckenwalde, der Akademie 2. Lebenshälfte und der Stadt Luckenwalde, hat sich mit dem Projekt „Stadtbad für Alle – Luckenwalde gestaltet Zukunft“ bundesweit gegen 294 Mitbewerber durchgesetzt. Das Vorhaben gehört zu den 15 ausgewählten Projekten im Förderprogramm „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ der Robert Bosch Stiftung GmbH und des Bundesverbands Soziokultur e.V.

Das Stadtbad Luckenwalde, 1928 im Stil der Klassischen Moderne errichtet und nach 35 Jahren Leerstand derzeit als „Nationales Projekt des Städtebaus“ mit Bundesmitteln saniert, wird zur Bühne eines Experiments: Kann ein Ort, der einst allen gehörte, wieder zu einem Ort für alle werden und dabei zur Werkstatt gelebter Demokratie? „Das Stadtbad war immer mehr als ein Schwimmbad. Es war der Ort, an dem Luckenwalde sich selbst begegnet ist. Jetzt haben wir die einmalige Chance, diesen Ort nicht nur baulich wiederzubeleben, sondern ihn neu zu erfinden – als einen Raum, in dem die Stadtgesellschaft gemeinsam verhandelt, wie sie zusammenleben will. Das ist keine Nostalgie. Das ist Zukunft“, so Jochen Neumann, Bürgermeister der Stadt Luckenwalde

Wo Demokratie wirkt

Das Trio setzt auf einen Perspektivwechsel: Demokratiearbeit gehört nicht in den Sitzungssaal, sondern dorthin, wo Menschen sich ohnehin aufhalten. Stammtische auf dem Stadtbad-Vorplatz, Begegnungsformate im Kebaphaus Luckenwalde, einem täglich hochfrequentierten Alltagsort direkt nebenan, Baustellenführungen und aktivierende Befragungen im Stadtraum: Das Projekt holt die Bürgerschaft nicht ab, es geht zu ihr hin. „Wir wollen keine Bürger*innenbeteiligung, die auf dem Papier stattfindet“, sagt Pablo Wendel vom E-WERK Luckenwalde. „Wir wollen echte Mitträgerschaft. Menschen, die das Stadtbad nicht nur nutzen, sondern die es in der Hand halten.“
Die Akademie 2. Lebenshälfte bringt dabei ihre jahrzehntelange Erfahrung in aufsuchender politischer Bildung ein: Werte-Wanderungen, Dialogspaziergänge, Gesprächsformate, die Perspektivwechsel ermöglichen und biografische Anknüpfungspunkte schaffen. „Ältere Menschen, die hier schwimmen lernten und jüngere Generationen, die den Ort neu entdecken, diese Begegnung ist politische Bildung in ihrer wirkungsvollsten Form“, erklärt Anke Pergande von der Akademie 2. Lebenshälfte.


Von der Sanierung zur Selbstverwaltung

Die bauliche Sanierung des Stadtbads ist durch rund zwei Millionen Euro Bundesmittel gesichert. Was bisher fehlte, war die Antwort auf die entscheidende Folgefrage: Wer trägt diesen Ort, wenn die Bauzäune fallen? Das Trio prüft in den kommenden Jahren verschiedene Träger- und Betreibermodelle und entwickelt gemeinsam mit der Bürgerschaft ein Organisationsmodell, das das Stadtbad dauerhaft als demokratischen Begegnungsraum sichert.

Die Wiedereröffnung und das 100-jährige Jubiläum des Stadtbades sind dabei mehr als symbolische Daten. Sie sind der Startschuss für einen Betrieb, der zeigen soll: Gemeinschaftliche Selbstorganisation funktioniert. Und Luckenwalde kann damit Vorbild für andere ostdeutsche Mittelstädte sein, die vor denselben Fragen stehen.

Das E-WERK Luckenwalde, selbst ein ehemaliges Braunkohlekraftwerk von 1913, das seit 2019 als regeneratives Kunstkraftwerk betrieben wird und CO2-neutralen Strom liefert, steht dabei für eine Haltung, die das gesamte Projekt prägt: Transformation ist möglich. Aus dem Alten entsteht etwas Neues, das mehr ist als die Summe seiner Teile.


Das Trio Luckenwalde lädt alle Bürger ein, diesen Prozess von Anfang an mitzugestalten. Wer Lust hat, das Stadtbad der Zukunft zu denken, ist herzlich willkommen: auf dem Vorplatz, im Kebaphaus oder bald im Stadtbad selbst. Um über die nächsten Schritte informiert zu bleiben, können sich Interessierte per E-Mail an info@kunststrom.com mit dem Stichwort: „Stadtbad für Alle!” melden.

Über das Förderprogramm

„Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ ist ein gemeinsames Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung GmbH und des Bundesverbands Soziokultur e.V. Es unterstützt Trios aus Soziokultur, politischer Bildung und Alltagsorten bei der Entwicklung niedrigschwelliger Demokratiearbeit. Aus 295 bundesweiten Bewerbungen wurden fünfzehn Projekte für eine Förderung ausgewählt.

Neptun

Neptunfest mit Taufe am 21. August im Waldbad Templin

Neptun ahoi! Am Freitag, 21. August, wird es im Waldbad Templin wieder märchenhaft und spritzig: Der römische Meeresgott Neptun übernimmt...
KVHS

Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark startet ins Herbst- und Winterprogramm

Wissen, Austausch und persönliche Begegnung stehen im Mittelpunkt des neuen Herbst- und Wintersemesters der Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark (kvhs PM). Mit einem...
Campus-In-der-Aue

Sommerfest & Tag der offenen Tür der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Potsdam

Einblick in den Klinikalltag, Live-Musik, Kabarett und ein buntes Programm für Kinder: Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie lädt am...
dpaMarlinWunderlich

Kupferkabel aus Baustelle in Beelitz gestohlen – 5.000 Euro Schaden

Unbekannte haben am vergangenen Wochenende auf einer Baustelle in Beelitz Kupferkabel im Wert von rund 5.000 Euro gestohlen. Die Polizei...
Wortbeiträge

Poesie, Comedy und gemeinsames Singen auf der Inselbühne Potsdam

Auf der Inselbühne Potsdam steht in dieser Woche ein abwechslungsreiches Programm auf dem Plan. Von gemeinsamem Singen über eine lyrisch-musikalische...
Schadstoffmobil

Standorte und Termine des Schadstoffmobils der Stadtentsorgung Potsdam GmbH (STEP) im August

Das Schadstoffmobil der Stadtentsorgung Potsdam GmbH (STEP) ist auch im August in Potsdam unterwegs. Der Bereich öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger der Landeshauptstadt...
Offcanvas

Teilen Sie uns das doch einfach mit und lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir Ihr Jubiläum werbewirksam in unseren Zeitungen begleiten können.