MUT-TOUR macht Station in Potsdam: Gemeinsam gegen Einsamkeit und Stigmatisierung
Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet und dennoch für viele Menschen mit Einsamkeit und Stigmatisierung verbunden. Rund 18 Millionen Menschen in Deutschland sind jährlich betroffen – mehr als jede vierte erwachsene Person. Gleichzeitig berichten internationale Studien, dass ein großer Teil der Menschen mit Depressionen bereits Erfahrungen mit Vorurteilen und Ausgrenzung gemacht hat.
Hier setzt die MUT-TOUR an. Seit 2012 sind Menschen mit und ohne eigene Krisenerfahrung gemeinsam mit Angehörigen und beruflich Helfenden zu Fuß und mit dem Fahrrad in Deutschland unterwegs. Sie sprechen offen über psychische Gesundheit, persönliche Krisen und Wege aus schwierigen Lebenssituationen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Diagnose, sondern der Mensch und seine individuelle Geschichte.
Am 22. August macht die MUT-TOUR in Potsdam Station. Auf dem Luisenplatz sind Interessierte eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen und mehr über die Initiative zu erfahren. Die Teilnehmenden berichten darüber, was es bedeutet, „gemeinsam irre mutig“ zu sein, wie sie mit psychischen Erkrankungen umgehen und welche Rolle Gemeinschaft auf dem Weg aus einer Krise spielen kann.
Die diesjährige MUT-TOUR startete am 30. Mai in Kassel. 13 Etappenteams – zwölf Tandem- und ein Wanderteam – legen bis zum Ziel in Bremen am 12. September insgesamt rund 4.100 Kilometer zurück. Entlang der Strecke finden mehr als 50 öffentliche Aktionstage statt. Die Angebote sind kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich.
Neben Informationsständen und Mitmachaktionen gibt es Möglichkeiten zum Mitradeln und Mitwandern. Auch örtliche Vereine und Selbsthilfegruppen stellen ihre Angebote vor. Offene Gesprächsformate sollen Begegnungen ermöglichen und dazu ermutigen, über psychische Belastungen zu sprechen und Unterstützung anzunehmen.
Dabei versteht sich die MUT-TOUR ausdrücklich als Ergänzung, nicht als Ersatz für professionelle Behandlung. Denn der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung ist groß: Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer vergingen zuletzt im Durchschnitt 142 Tage zwischen einem psychotherapeutischen Erstgespräch und dem Beginn einer Therapie.
„Wir brauchen mehr Psychotherapie“ lautet deshalb bereits seit Jahren eine Botschaft der MUT-TOUR. Angesichts der aktuellen Diskussionen um die Finanzierung ambulanter Psychotherapie gewinne sie zusätzlich an Bedeutung, sagt Initiator und künstlerischer Leiter Sebastian Burger. Selbsthilfe könne keine Therapie ersetzen, aber Menschen auffangen und insbesondere während langer Wartezeiten unterstützen.
Mit ihrer Reise durch Deutschland möchte die MUT-TOUR vor allem eines erreichen: Berührungsängste abbauen, Begegnungen schaffen und zeigen, dass niemand mit einer psychischen Krise allein bleiben muss. Weitere Informationen zu den Aktionstagen und Terminen gibt es auf der Internetseite der MUT-TOUR www.mut-tour.de/aktionstage.






