Nachkriegsgeschichten und geheime Sendeanlagen
Die Ortschronistin Sabine Weißler und Wolfgang Gothe laden am 24. April 2026 zum Chronikabend in das Bürgerhaus in Zeesen ein.
Geschichtsinteressierte sind am Freitag, 24. April 2026, um 18.30 Uhr zum Chronikabend in das Bürgerhaus in der Friedenstraße 54 eingeladen. Mit Ortschronistin Sabine Weißler und Wolfgang Gothe beleuchten gleich zwei Referenten die bewegte Geschichte von Zeesen.
Wochenlang las sich Sabine Weißler für ihre Recherchen zum Vortrag „Hoffnung auf Alltag – Zeesen nach dem 2. Weltkrieg“ durch Gemeindevertreterprotokolle, Grundstücksakten und Schriftverkehr im Archiv des KWer Rathauses. „Eigentlich wollte ich die Zeit bis Mitte der 50er Jahre beleuchten. Habe dann aber festgestellt, dass das einfach viel zu viel wäre und habe mich schlussendlich auf die Zeit von 1945 bis 1947 beschränkt“, so Weißler. Schlaglichtartig wird sie die Zeit beleuchten, die rückblickend vermutlich mit die schwerste war, die Zeesen und seine Bewohner durchlebt haben. Die Nachkriegsjahre waren geprägt durch die sowjetische Militäradministration und großen Hunger. „In Zeesen war der Boden so schlecht, dass man eigentlich nichts so richtig gut anbauen konnte“, erklärt die Ortschronistin. „Es wurde sogar ein Teil des Funkgeländes parzelliert, damit die Zeesener dort versuchen konnten, etwas anzupflanzen.“ Aber auch das Saatgut wurde zugeteilt und war knapp. Die Menschen hungerten und die Kleinkriminalität stieg: „Jeder klaute von jedem, um mit seiner Familie über die Runden zu kommen. Die Verhältnisse untereinander waren deshalb auch sehr angestrengt, besonders auch den russischen Soldaten gegenüber.“ Dazu kam auch noch das Flüchtlingselend. 500 von ihnen sollte der kleine Ort aufnehmen. „Diese Menschen bekamen nur einen Teil der Lebensmittelzuweisungen pro Kopf, die für einen Zeesener Bürger veranschlagt waren“, beschreibt Weißler, die Interessierte einlädt, mit ihr an diesem Freitagabend einen Blick in diese angespannte Nachkriegszeit zu werfen.
Sport und Krieg
Zusammen mit Wolfgang Gothe geht es unter dem Titel „Kurzwellensender Zeesen – Die geheimen Anlagen“ auf eine Reise in die Geschichte des Deutschlandsenders. Nachdem die Kapazitäten auf dem Funkerberg ausgereizt waren, wurde in Zeesen der Deutschlandsender II von der Deutschen Reichspost erbaut und 1927 in Betrieb genommen. Der Kurzwellensender wurde 1931 errichtet, und bereits vier Jahre später arbeiteten 250 Mitarbeiter mit insgesamt zehn Sendern und produzierten rund 70 Stunden Programm täglich. 1936 wurden durch den leistungsstarken Olympia-Sender die Spiele aus Zeesen weltweit übertragen. In Kriegszeiten wurde er zur Übertragung von Nachrichten an den Deutschen Geheimdienst und für Propagandazwecke benutzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Sender auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert.
Die Orgel erklingt
Der Chronikabend kann kostenfrei besucht werden. Der ehemalige Ortsbürgermeister Peter Wein wird an diesem Abend auch zwei Stücke auf der Orgel spielen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.





