Nordanbindung Dabendorf: Geldquelle für Zossen oder Millionengrab?
Im dritten Anlauf soll die Nordanbindung zum Gewerbegebiet Dabendorf ermöglicht werden. Doch es gibt auch Kritik an den Plänen.
Mit der geplanten Nordanbindung des Gewerbegebietes „Am Funkwerk“ steht Zossen vor einer wichtigen Infrastrukturentscheidung. Das Projekt soll neben der Reduktion des Verkehrslärms für die Anwohner in Dabendorf vor allem die Voraussetzung für die Erschließung von rund 45 Hektar zusätzlichen Industrie- und Gewerbeflächen schaffen. Die neue Straße soll nördlich von Dabendorf von der B 96 abzweigen und die Fernbahnstrecke Berlin–Dresden überqueren. Die Hoffnung der Verwaltung ist, dass sich neue Unternehmen ansiedeln und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt nachhaltig gestärkt wird. Angesichts des Defizits, das zum Ende des Jahrzehnts auf bis zu 80 Millionen Euro anwachsen könnte, ist Zossen gut beraten, mehr Einnahmen zu generieren. Die Nordanbindung ist daher für Bürgermeisterin Wiebke Sahin-Connolly seit Jahren ein Schlüsselprojekt für die weitere Entwicklung der Stadt. Sie eröffne neue Entwicklungsmöglichkeiten, stärke den Wirtschaftsstandort und schaffe Perspektiven für wohnortnahe Arbeitsplätze, sagt sie. Auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept wird das Vorhaben als wichtiges Zukunftsprojekt benannt. Und ohne eine neue Verkehrsanbindung wäre die laut Verwaltung „dringend benötigte Erweiterung der Gewerbeflächen nicht möglich“.
Es ist schon der dritte Anlauf für die Straße. Ursprünglich war sie 2019 als Nordumfahrung geplant worden. Einen weiteren Vorstoß gab es dann 2021. Der jetzige Entwurf soll nun langfristig die Trasse sichern. Der Bauausschuss der Stadt signalisierte Mitte Juni bereits seine Zustimmung zum Bebauungsplan. Doch es gibt auch Kritik an dem Vorhaben. Der rund 2,5 Kilometer lange Abschnitt soll etwa 20 Millionen Euro kosten. Zwar sollen laut Verwaltung rund 12,8 Millionen Euro aus Fördermitteln kommen. Doch den Rest muss die Stadt selbst bezahlen – „inklusive der zu erwartenden Kostensteigerungen“, wie der Linken-Stadtverordnete Carsten Preuß anmerkt. Derweil stünden den Ortsteilen in den kommenden Jahren wegen der Finanzsituation der Stadt weniger Mittel zur Verfügung. Auch bei der Bewirtschaftung und Instandhaltung kommunaler Schulen, Kitas, Jugendräume und Feuerwachen werde nach Einsparpotenzialen gesucht. Und an die Erneuerung der Geh- und den Bau neuer Radwege sei erst recht nicht zu denken. Wenn das neue Gewerbegebiet zusätzliche Gewerbesteuern in die Stadtkasse spült, geht die Rechnung auf. „Eine Garantie für Gewerbeansiedlungen gibt es jedoch nicht, zumal die schwache Konjunktur auch in den Kommunen spürbar ist“, gibt Preuß zu bedenken. Zudem wären die Eingriffe in Natur und Landschaft erheblich. „Die geplante Trasse würde das Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung beeinträchtigen und zerschneiden“, so Preuß. Dabei biete die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft mit feuchten Auen, Mooren, Seen, Wiesen und Weiden sowie Baumreihen und Feldrainen zahlreichen Arten Lebensraum.
Die abschließende Entscheidung werden die Stadtverordneten Anfang Juli treffen.






