Petiton fordert Erhalt: Kinder- und Jugendklinik in Ludwigsfelde schließt
Zum 31. Juli 2026 wird der Betrieb eingestellt. Bürgermeister Igel ist verärgert, weil die Stadt nicht im Vorfeld involviert wurde. Eine Petition hat schon tausende Stimmen gesammelt.
Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus in Ludwigsfelde soll zum 31. Juli dieses Jahres geschlossen werden. „Die Schließung ist eine Folge der zunehmenden Ambulantisierung der medizinischen Leistungen und folgt den Vorgaben der Krankenhausreform zur Bündelung von Spezialexpertisen“, teilte der Träger des Krankenhauses, das Diakonissenhaus Teltow, am 21. Mai mit. Im Zuge der Krankenhausreform soll die Zahl ambulanter Behandlungen steigen, um Klinikaufenthalte zu verkürzen oder zu vermeiden. Dieser Trend betrifft die Kinder- und Jugendmedizin besonders stark.
Patienten aus Ludwigsfelde und Umgebung müssen daher künftig auf das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam ausweichen. „Der Gesetzgeber fordert den Umbau der medizinischen Leistungen gerade kleinerer Häuser“, erklärt der Kaufmännische Vorstand Diakonissenhauses Teltow, Hans-Ulrich Schmidt. „Wir bedauern diesen Schritt, sehen aber aufgrund der sich rasant verändernden Rahmenbedingungen keine andere Möglichkeit.“ Das Krankenhaus in Ludwigsfelde werde seine bestehenden Leistungsangebote in den Bereichen Innere Medizin, Orthopädie- und Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Geriatrie ausbauen sowie seiner Verantwortung in der Notfallversorgung gerecht werden, versicherte er.
Von der Nachricht zur Schließung wurde auch Ludwigsfeldes Bürgermeister Andreas Igel überrascht. Er sei erst wenige Stunden vor Veröffentlichung der Mitteilung über die bevorstehende Schließung informiert worden, teilte die Stadtverwaltung mit. „Die Nachricht hat mich überrascht und ehrlich gesagt auch sehr verärgert. Mir ist bewusst, dass eine derartige Entscheidung nicht allein hier im Krankenhaus getroffen wird. Ich hätte aber erwartet, dass die Stadt in die Entscheidung mit eingebunden wird und wir die Chance erhalten hätten, Optionen zum Erhalt der Kinder- und Jugendklinik zu beeinflussen. Für uns als kinder- und jugendfreundliche Stadt ist diese Entscheidung ein herber Rückschlag“, erklärt Bürgermeister Andreas Igel enttäuscht.
Auch für das Team der Kinder- und Jugendklinik ist die Entscheidung offenbar unerwartet gekommen. „Viele von uns brauchen Zeit, um diese Nachricht zu verarbeiten – denn unsere Kinderklinik war für uns weit mehr als nur ein Arbeitsplatz“, hieß es auf Facebook in einem inzwischen gelöschten Post. „Mit viel Herzblut, Engagement und fachlicher Kompetenz haben wir jeden Tag gemeinsam daran gearbeitet, für unsere kleinen und großen Patient:innen die bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten. Dabei war unser Teamzusammenhalt immer etwas ganz Besonderes. Bis zum letzten Tag werden wir selbstverständlich weiterhin mit offenem Ohr, großem Einsatz und ganzem Herzen für unsere Patient:innen und ihre Familien da sein.“
Als Reaktion auf die angekündigte Schließung wurde am 22. Mai auf der Plattform openpetition.de eine Petition zum Erhalt der Kinder- und Jugendklinik gestartet, die innerhalb eines Tages schon mehr als 1.000-mal unterzeichnet worden ist. Sie fordert von Hans-Ulrich Schmidt und der Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses den Erhalt der Kinderstation, „damit Kinder und Familien weiterhin eine wohnortnahe, schnelle und sichere medizinische Versorgung erhalten“. Wer die Petition ebenfalls unterzeichnen möchte, kann das auf bit.ly/kjkliniklu tun.





