Potsdam Museum erweitert seine Sammlung um zwölf bedeutende Zeugnisse der historischen Glaskunst
Potsdam bekommt ein Stück seiner Glaskunstgeschichte zurück: Zwölf barocke Gläser aus der privaten Sammlung des Ehepaars Hannelore und Lothar Franze gehören seit kurzem zum Bestand des Potsdam Museums. Sechs der kostbaren Stücke erwarb der Förderverein des Potsdam-Museums e. V. und übergab sie anschließend dem Museum. Weitere Objekte aus der Sammlung wurden direkt vom Museum angekauft. Damit bleiben Zeugnisse der Potsdamer Glaskunst an ihrem historischen Entstehungsort erhalten. Für das Sammlerehepaar Franze war das ein wichtiges Anliegen. Die über Jahre auf Auktionen zusammengetragenen Gläser sollten als Konvolut nach Potsdam gelangen. 26 Fördervereins-Mitglieder beteiligten sich an der Finanzierung.
Glaskunst für den kurfürstlichen Hof
Die Geschichte der Potsdamer Glaskunst reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. 1674 ließ Kurfürst Friedrich Wilhelm eine erste Glashütte in Drewitz errichten. Wenige Jahre später wurde der Standort auf den Hakendamm verlegt, wenige Kilometer vom Stadtschloss entfernt. Eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Potsdamer Glaskunst spielte der Alchemist und Glasmacher Johann Kunckel, den der Kurfürst aus sächsischen Diensten nach Brandenburg holte. Kunckel verband wissenschaftliche Kenntnisse mit unternehmerischem Geschick und fertigte prachtvolle Glasgefäße für den kurfürstlichen Hof. Auf der Pfaueninsel setzte er später wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Glasherstellung. Ihm wird unter anderem die Herstellung von Goldrubinglas zugeschrieben – einer damals besonders begehrten Glasart. Die neu erworbenen Stücke zeugen von diesem hohen handwerklichen und künstlerischen Niveau.
Zu den herausragenden Objekten gehört ein sogenanntes Koppchen, eine henkellose Tasse mit Unterschale aus Goldrubinglas. Seine Herstellung wird Johann Kunckel zugeschrieben. Ein weiterer Höhepunkt ist ein in der Werkstatt Gottfried Spillers geschnittener Becher mit dem brandenburgisch-preußischen Wappen und den Insignien des Kurfürsten Friedrich III., der ab 1701 als König Friedrich I. regierte. Auch eine große Vierkantflasche aus der Hauskellerei König Friedrich Wilhelms II. gehört zum neuen Bestand.
Ausstellung als Schatzkammer
Die neuen Erwerbungen waren für das Potsdam Museum Anlass, den Ausstellungsbereich zur Potsdamer Glaskunst in der Ständigen Ausstellung neu zu gestalten. Der von Oliver Wenske entworfene Bereich orientiert sich grafisch an Johann Kunckels Schrift „Ars Vitraria experimentalis oder Vollkommene Glasmacherkunst“. Farblich greift die Gestaltung den charakteristischen Ton des Goldrubinglases auf. Ein eigens für die Präsentation angeschafftes Beleuchtungssystem setzt die historischen Gefäße gezielt in Szene. Die kostbaren Gläser erscheinen dadurch wie Schätze in einer historischen Schatzkammer.
Für das Museum ist der Zuwachs von großer Bedeutung. „Für das Potsdam Museum ist dieser Sammlungszuwachs ein Glücksfall“, sagt der stellvertretende Museumsdirektor Hannes Wittenberg. Ohne das private Engagement und die Unterstützung des Fördervereins wäre der Erwerb nicht möglich gewesen. Fördervereinsvorsitzender Markus Wicke dankte er den 26 Spendern aus den Reihen des Vereins, die den Ankauf ermöglicht hätten. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sammlungsleiterin für Bildende Kunst bis 1850 und Angewandte Kunst, Uta Kumlehn, hebt insbesondere die Qualität der Stücke hervor. Die neuen Gläser gehörten zu den „qualitätvollsten Zeugnissen der barocken Potsdamer Glaskunst“. Sie dokumentierten das hohe Niveau der örtlichen Glashütten und spiegelten zugleich die höfische Repräsentationskultur ihrer Zeit wider. Ergänzt wird die Präsentation durch bereits vorhandene Stücke aus der Museumssammlung sowie zwei Dauerleihgaben der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).
Wer die historische Potsdamer Glaskunst näher kennenlernen möchte, kann die im Museum ausgestellten Stücke auch online über den Auftritt des Potsdam Museums auf museum-digital ansehen. Eine weitere Vertiefung bietet die Broschüre von Lothar Franze „Die ‚Hakendammische Hütte‘ an der Nuthe“, die sich mit den historischen und gestalterischen Hintergründen der Gläser beschäftigt und für 12,90 Euro im Museumsshop erhältlich ist.






