Potsdam sucht neue Balance zwischen Klimaschutz und Wohnungsbau
Wie kann klimafreundliches Bauen gelingen, ohne dringend benötigten Wohnungsbau auszubremsen? Mit dieser Frage will sich die Landeshauptstadt Potsdam in den kommenden Jahren intensiver beschäftigen. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, die bisherigen Vorgaben zum ökologischen Bauen und zur Holzbau-Initiative für kommunale Wohnungsbauprojekte bis Ende 2030 auszusetzen.
Betroffen sind Bauvorhaben der ProPotsdam sowie des Kommunalen Immobilienservice (KIS). In dieser Zeit sollen die bestehenden Regelungen überprüft und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Standards zu schaffen, die sowohl wirksam zum Klimaschutz beitragen, als auch wirtschaftlich umsetzbar sind.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel betont, dass das Moratorium kein Abschied von nachhaltigem Bauen sei. Vielmehr gehe es darum, die bisherigen Vorgaben auf ihre Wirksamkeit und Praxistauglichkeit zu prüfen. Angesichts steigender Baukosten, höherer Zinsen und knapper Fördermittel müsse die Stadt Wege finden, bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz miteinander zu verbinden.
Auch Stadtentwicklungsbeigeordneter Bernd Rubelt verweist auf die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung. Für den Klimaschutz sei nicht allein die Wahl einzelner Baustoffe entscheidend. Maßgeblich sei die gesamte CO₂-Bilanz eines Gebäudes über seinen Lebenszyklus hinweg – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb.
Die bisherigen Beschlüsse sollten ressourcenschonendes und klimaverträgliches Bauen fördern und den Einsatz von Holz als Baustoff stärken. Nach Auffassung der Stadt haben sich die Rahmenbedingungen seitdem jedoch deutlich verändert. Deshalb sollen nun Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und sozialverträglichem Wohnungsbau genauer untersucht werden.
Die Überprüfung läuft bis Ende 2030. Anschließend sollen die Stadtverordneten über neue Empfehlungen für klimafreundliche und zugleich finanzierbare Baustandards entscheiden.





