Rapsblüte und Bienensummen – Agrargenossenschaft Hoher Fläming meldet kräftige Bestände
Christoph Herzog ist an diesem Mittwochmorgen deutlich besser gelaunt als an Tagen zuvor. Als Feldbauleiter der Agrargenossenschaft Hoher Fläming eG steht er nicht mit sorgenvoller Miene zwischen den Beständen, sondern mit einem zufriedenen Blick am Rand der Felder. Der Grund dafür ist schnell genannt: In der Nacht hat es geregnet. Rund 20 Liter pro Quadratmeter, sagt Christoph Herzog – genug, um nach den vergangenen trockenen Wochen erst einmal aufzuatmen.
Und der Regen kommt zur rechten Zeit. Denn rund um die Agrargenossenschaft im Hohen Fläming leuchten derzeit die Winterrapsfelder in jenem kräftigen Gelb, das jedes Jahr Anfang Mai die Landschaft prägt. Für Spaziergänger ist es ein beinahe malerischer Anblick, für Landwirte ein wichtiger Entwicklungspunkt im Jahreslauf, und für Imker eine der entscheidenden Zeiten überhaupt. Die Rapsblüte zeigt an, wie weit die Vegetation im Frühjahr fortgeschritten ist – und sie markiert zugleich den Beginn einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Bienenhaltern.
Auf rund 230 Hektar baut die Agrargenossenschaft Hoher Fläming Winterraps an. „Stand 6. Mai steht der Raps schön hoch, schön verzweigt“, so Christoph Herzog. Genau darauf kommt es jetzt an: Die Pflanzen müssen nicht nur gesund durch das Frühjahr kommen, sondern auch ausreichend befruchtet werden. Dann entscheidet sich, wie hoch der Ertrag am Ende ausfällt.
Dass der Rapsanbau in den vergangenen Jahren kein Selbstläufer war, wissen Landwirte hier nur zu gut. Im Gegenteil: Die Saison 2024 sei für viele Betriebe von großen Problemen geprägt gewesen, berichtet Fabian Blöchl, Referent Ackerbau beim Landesbauernverband Brandenburg. Vor allem der Rapserdfloh habe den jungen Pflanzen massiv zugesetzt. Der kleine Schädling frisst die Keimlinge bereits im Herbst an – genau in der Phase, in der der Raps eigentlich genug Kraft für den Winter sammeln soll. „Mit dem Verbot der Beize ist der Landwirt gezwungen, etwas dagegen zu machen“, erklärt Fabian Blöchl weiter. Gemeint ist die Saatgutbehandlung, die früher als wichtiger Schutz gegen den Rapserdfloh galt.
Die Folgen waren im vergangenen Jahr deutlich zu sehen. Nach der Ernte stand bei den Verantwortlichen auch die Frage im Raum, ob sich der Rapsanbau überhaupt noch lohne. Denn in der Praxis bedeutete das nicht nur Mehraufwand, sondern auch spürbare Einbußen. Christoph Herzog spricht von fünf bis zehn Prozent weniger Ertrag durch den Wegfall der Beize, im vergangenen Jahr sei der Ausfall im Vergleich dazu noch deutlich gravierender gewesen – rund 50 Prozent weniger.
Ab Oktober, wenn keine Biene mehr unterwegs ist, galt eine Ausnahmegenehmigung zur Anwendung eines Pflanzenschutzmittels, um die Rapserdflohlarven zu behandeln beziehungsweise in den Griff zu bekommen. Das Mittel verbleibe systemisch in der Pflanze und schütze sie vor zukünftigen Befall. Nach ein bis zwei Wochen sei das Mittel abgebaut, erklärt Christoph Herzog weiter.
Umso genauer wird in diesem Frühjahr auf jede Entwicklung im Bestand geschaut. Dass der Raps am 6. Mai so gut dasteht wie seit Jahren nicht mehr, ist für Christoph Herzog ein ermutigendes Signal. Der Bestand sei vital, gut entwickelt und auf den Flächen im Fläming in einem Zustand, der Hoffnung macht. Jetzt komme es darauf an, dass die Bestäubung funktioniert – und damit auf die Bienen.
Denn was für den Landwirt die Ertragsgrundlage ist, ist für den Imker die wichtigste Frühjahrsnahrung seiner Völker. Peter Prokoph, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Brück und seit vielen Jahren in der Imkerei aktiv, kennt den Wert des Raps aus eigener Erfahrung. „Mit der Obstblüte allein kriegen wir die Bienen nicht satt“, sagt er. Für Bienen ist der Nektar aus Rapsblüten eine sehr ergiebige Nahrungsquelle, um die Brut aufzuziehen und die Entwicklung im Frühjahr voranzutreiben. Für Peter Prokoph ist das die eigentliche Wachstumsphase des Bienenvolkes. Je besser das Angebot, desto stärker können sich die Völker entwickeln. „Dafür ist der Raps sehr wichtig für Imker“, betont er.
Der Wegfall der Beize war für die Imker ein Gewinn. Peter Prokoph erinnert daran, dass die Wirkstoffe früher mit der Pflanze mitgewachsen und später im Honig nachweisbar gewesen seien. Für Imker sei das ein ernstes Problem, denn wenn Grenzwerte überschritten werden, darf der Honig nicht mehr verkauft werden. Im schlimmsten Fall müssen dann sogar ganze Mengen vernichtet werden. Deshalb lässt Peter Prokoph seinen Rapshonig regelmäßig testen.
Wie empfindlich das Zusammenspiel von Wetter, Pflanzengesundheit und Bestäubung ist, zeigt sich jedes Jahr aufs Neue. In Schlechtwetterphasen bleiben die Bienen im Stock, und wenn es draußen zu kühl oder zu nass ist, sinkt die Flugaktivität. Auch am Mittwochmittag ist das spürbar: Dann ernähren sich die Völker von dem, was sie eingetragen haben. Wenn die Rapsernte mager ausfällt, bekommen das auch die Imker unmittelbar zu spüren. „Die Bienen können nicht mehr holen, als das, was da ist“, so Peter Prokoph.





