Von Magdeburg nach Berlin: Pflegekräfte setzen Zeichen mit einem Pflegebett
Ein Pflegebett auf der Straße soll die Politik wachrütteln: Zwei Beschäftigte aus der Altenpflege schoben ein Bett 204 Kilometer von Magdeburg nach Berlin. Ihr Ziel war das Reichstagsgebäude. Die ungewöhnliche Protestaktion machte auch Station in Potsdam.
Hajo Schneider und sein Kollege Johannes Hermann waren seit Ende August unterwegs und legen dabei bis zu 40 Kilometer am Tag zurück. Auf den letzten 1,5 Kilometern zum Evangelischen Seniorenzentrum Emmaus-Haus wurden sie von Vorstand und Mitarbeitenden der Lafim-Diakonie begleitet. Gemeinsam schoben sie das Pflegebett bis zur Einrichtung.
Die Aktion soll auf die wachsenden Probleme in der Pflege aufmerksam machen. Im Mittelpunkt steht unter anderem die geplante Begrenzung der Refinanzierung von Tariflöhnen. Die Lafim-Diakonie befürchtet, dass Pflegeeinrichtungen dadurch finanziell erheblich unter Druck geraten könnten.
Wie groß die Auswirkungen sein könnten, zeigt eine Rechnung der Lafim-Diakonie: Hätte die geplante Regelung bereits in den vergangenen fünf Jahren gegolten, wäre in ihrer Altenhilfe-Gesellschaft ein Defizit von rund 28 Millionen Euro entstanden. „Diese Regelung ist ohne Augenmaß“, warnt der kaufmännische Leiter Dr. Jörg Antoine. Die Versorgungssicherheit dürfe nicht gefährdet werden.
Auch die Bezahlung der Pflegekräfte steht im Fokus. Die Lafim-Diakonie fordert, dass Tariflöhne weiterhin ausreichend finanziert werden. Eine Reform dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.
Das Pflegebett ist dabei bewusst gewählt: Es steht für die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, aber ebenso für die Beschäftigten, die das System täglich am Laufen halten. Unterwegs haben Schneider und Hermann nach eigenen Angaben viel Zustimmung erhalten.
Am 7. September haben die beiden nach insgesamt 204 Kilometern Berlin erreicht. Das Pflegebett wurde vor dem Reichstagsgebäude abgestellt – als ungewöhnliches, aber unübersehbares Zeichen für eine Pflege, die nach Ansicht der Initiatoren dringend politische Unterstützung braucht.






