Wärme aus dem Untergrund: Bohrungen am Heizkraftwerk Süd in Potsdam offiziell gestartet
Mit dem offiziellen Start der Bohrungen am Heizkraftwerk (HKW) Süd hat die Energie und Wasser Potsdam (EWP) einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung gemacht. Ziel des Projekts ist es, Erdwärme aus bis zu 2.000 Metern Tiefe für die Potsdamer Fernwärme nutzbar zu machen.
Bereits Ende Juni wurde die Bohranlage auf dem Gelände in Drewitz aufgebaut und für den Einsatz vorbereitet. Seit Juli laufen die Arbeiten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Die Bohrungen sollen zunächst bis Ende 2026 andauern.
Mit der ersten Bohrung wollen die Fachleute nicht nur die geologischen Voraussetzungen untersuchen, sondern auch das vorhandene Erdwärme- und Solepotenzial bewerten. Erst nach der Auswertung der gewonnenen Daten wird feststehen, welche Wärmeleistung und Fördertemperaturen am Standort tatsächlich erreicht werden können. Die ersten Ergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet.
Tiefengeothermie als Baustein der Wärmewende
Beim offiziellen Bohrstart machte Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement die Bedeutung solcher Projekte für die Energiewende deutlich. „Die Wärmewende braucht verlässliche und bezahlbare Lösungen. Die Tiefengeothermie kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen, weil sie dauerhaft Wärme liefert und fossile Energieträger ersetzt“, sagte die Ministerin. Potsdam zeige beispielhaft, wie eine moderne und klimafreundliche Fernwärmeversorgung der Zukunft aussehen könne.
Für die EWP ist das Projekt ein weiterer Meilenstein beim Umbau der Wärmeversorgung. Bereits mit dem ersten Tiefengeothermieprojekt an der Heinrich-Mann-Allee wurden Erfahrungen gesammelt, die nun in das Vorhaben am HKW Süd einfließen. „Hier wollen wir neben dem Aalen-Sandstein auch den darunterliegenden Domer-Sandstein nutzen“, erklärte EWP-Geschäftsführer Carsten Schulte. Die Bohrungen bis in Tiefen von rund 2.000 Metern seien zwar geologisch anspruchsvoll, versprächen aber eine höhere Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Das Unternehmen hofft, am Standort künftig deutlich mehr als zwölf Megawatt thermische Leistung erzeugen zu können.
Millioneninvestitionen für Wärmeversorgung von morgen
Die EWP sieht in der Tiefengeothermie einen wichtigen Baustein für die langfristige Versorgung der Landeshauptstadt mit klimafreundlicher Wärme. Parallel investiert das Unternehmen in den Ausbau des Fernwärmenetzes und die Erschließung weiterer Wärmequellen. „Die Wärmewende ist eine große Investition in die Zukunft Potsdams“, sagte EWP-Geschäftsführer Monty Balisch. Ziel sei es, die Wärmeversorgung langfristig wirtschaftlich, sicher und für möglichst viele Menschen attraktiv zu gestalten. Rückenwind erhält das Unternehmen dabei durch zusätzliche Kreditzusagen der Europäischen Investitionsbank.
Fernwärme soll auch künftig weiter wachsen
Auch die Landeshauptstadt Potsdam setzt in ihrer kommunalen Wärmeplanung auf einen deutlichen Ausbau der Fernwärme. Nach Einschätzung von Lars Schmäh, Fachbereichsleiter Klima, Umwelt und Grünflächen, ist das Geothermieprojekt ein wichtiger Baustein für die Umsetzung der Wärmewende. „Die Wärmewende gelingt nur, wenn Planung, Erzeugung, Netze und Anschlüsse zusammengedacht werden“, betonte Schmäh. Die Investitionen der EWP in neue Wärmequellen seien deshalb ein entscheidender Schritt.
Die Tiefengeothermie am Heizkraftwerk Süd ist bereits das zweite große Geothermieprojekt in der Landeshauptstadt Potsdam. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ). An der Umsetzung beteiligt sind außerdem die Unternehmen UGS GmbH und Envi Con Engineering GmbH. Mit dem Projekt will die EWP die Fernwärmeversorgung in Potsdam langfristig unabhängiger von fossilen Energieträgern machen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit für tausende Haushalte stärken. Sollte sich das geologische Potenzial bestätigen, könnte das HKW Süd künftig zu einem der wichtigsten Standorte der Potsdamer Wärmewende werden.






