Wärmewende in Potsdam: EWP und GFZ starten langfristige Geothermie-Kooperation
Die Wärmeversorgung der Zukunft in Potsdam soll zunehmend aus der Tiefe kommen. Mit der Unterzeichnung eines Projektvertrags haben die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) und das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung ihre Zusammenarbeit beim Ausbau der Tiefengeothermie in der Landeshauptstadt offiziell besiegelt. In den kommenden vier Jahren wollen beide Partner weitere Standorte für die Nutzung von Erdwärme erschließen und damit die Wärmewende in Potsdam vorantreiben.
Ziel der Kooperation ist es, das geothermische Potenzial der Stadt systematisch zu untersuchen und langfristig für die kommunale Wärmeversorgung nutzbar zu machen. Während das GFZ seine wissenschaftliche Expertise bei der Erkundung und Bewertung geeigneter Reservoirs einbringt, übernimmt die EWP die Planung, Finanzierung und technische Umsetzung der Projekte sowie deren Anbindung an das städtische Fernwärmenetz.
„Wir haben mit unserem ersten großen Geothermieprojekt an der Heinrich-Mann-Allee bereits eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der Nutzung von Erdwärme in Potsdam steckt“, sagt EWP-Geschäftsführer Carsten Schulte. Die dort entstehende Anlage werde künftig mehr als vier Megawatt thermische Leistung liefern und damit rechnerisch über 6.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Die Erfahrungen aus diesem Projekt sollen nun auf weitere Standorte übertragen werden.
Wissenschaft trifft Praxis
Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung zählt bundesweit zu den führenden Einrichtungen im Bereich der Tiefengeothermie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die geologischen Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutzung von Erdwärme und begleiten zahlreiche Projekte in Deutschland.
„Mit dieser Kooperation verbinden wir Forschung und Praxis auf beispielhafte Weise“, erklärt Prof. Dr. Susanne Buiter, Wissenschaftliche Vorständin des GFZ. Die Nutzung von Erdwärme könne einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten. Die geologischen Bedingungen in der Region Berlin-Brandenburg seien dafür besonders vielversprechend.
Auch Prof. Dr. Ingo Sass, Leiter der GFZ-Sektion Geoenergie und Projektverantwortlicher auf wissenschaftlicher Seite, sieht große Chancen. Als Teil des Norddeutschen Beckens verfüge die Region über mehrere wasserführende Gesteinsschichten, die für die Gewinnung von Erdwärme genutzt werden könnten. Potsdam habe das Potenzial, erstmals mehrere solcher Reservoirs gleichzeitig zu erschließen. Dies könne bundesweit neue Maßstäbe für die geothermische Wärmeversorgung setzen.
Acht Geothermie-Projekte geplant
Die Zusammenarbeit ist Teil einer umfassenden Strategie der EWP, die Wärmeversorgung der Stadt schrittweise neu aufzustellen. Hintergrund ist das bestehende Heizkraftwerk, das seit Mitte der 1990er Jahre zuverlässig Wärme liefert, dessen technische Anlagen jedoch zunehmend das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.
Bis 2030 soll deshalb der erste Schritt zur Ablösung des Kraftwerks vollzogen werden. Insgesamt plant die EWP acht Tiefengeothermie-Projekte in Potsdam. Ergänzt werden sollen diese durch die Nutzung von Flusswasserwärme sowie durch moderne Blockheizkraftwerke und sogenannte Power-to-Heat-Anlagen, die überschüssigen Strom in Wärme umwandeln.
„Die Wärme für Potsdam wird künftig dezentral an mehreren Standorten erzeugt“, sagt EWP-Geschäftsführer Monty Balisch. Ziel sei eine sichere, unabhängige und zugleich bezahlbare Wärmeversorgung, die den Anforderungen der Energiewende gerecht wird. Der nun geschlossene Projektvertrag zwischen EWP und GFZ läuft bis Ende 2029 und gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung in Potsdam.





