Waldumbau: Diedersdorfer Dauerwald soll Millionen Liter Grundwasser zusätzlich liefern
In einem Wald zwischen Dahlewitz und Großbeeren ist ein Projekt gestartet, bei dem auf 50 Hektar Fläche Kreis- und Privatwald nachhaltig umgebaut werden
Wälder, in denen mehr Wasser gespeichert wird, sind unanfälliger, haben ein geringeres Waldbrandrisiko, sorgen für eine stärkere Abkühlung und sind dadurch klimaresistenter. Herkömmliche Brandenburger Monokultur-Bestände mit Kiefern können das nicht leisten – dafür braucht es eine gesunde Durchmischung mit Laubbäumen. Soweit ist das schon länger klar. Mit dem am 20. Mai 2026 gestarteten Projekt „Diedersdorfer Dauerwald“ wird dieses Wissen aber in die Tat umgesetzt. Dabei geht es nicht allein um den Wald. Durch die angestrebte Verbesserung der Bodenzusammensetzung erhöht sich die Wasserspeicherfähigkeit und die Grundwasserneubildung. Auf der Projektfläche von 50 Hektar – 40 davon im Eigentum des Landkreises Teltow-Fläming, zehn weitere gehören dem Zossener Karsten Gäbert – sollen sich so bis 2040 jährlich 24 Millionen Liter Grundwasser zusätzlich bilden können.
Möglich macht das eine Zukunftsprämie, die vom Bio-Getränkehersteller A. Dohrn & A. Timm aus Diedersdorf kommt. Sie beträgt je nach Verbesserung des Zustands bis zu 400 Euro pro Hektar und Jahr. Dieses Geld deckt die Mehrkosten ab, die Waldeigentümern durch die veränderte Bewirtschaftung entstehen. „Das Umsteuern muss auch wirtschaftlich tragbar sein“, begründet Firmen-Inhaberin Sabine Mühlbauer ihr Engagement. „Als Hersteller von Bio-Säften und Bio-Mineralwasser haben wir immer die natürlichen Kreisläufe im Blick – ganz besonders den Wasserkreislauf.“ Das Projekt trage dazu bei, „dass auch künftige Generationen noch gutes Wasser haben.“
Doch was genau geschieht nun im Projektzeitraum von 15 Jahren auf der Fläche? Zuerst einmal wurde der Status Quo erfasst: Dazu bedient man sich eines Vier-Stufen-Verfahrens, mit dem der Zustand des Waldes eingeschätzt wird, wie Dr. Sebastian Hauk erklärt, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Dabei wird geschaut, welche Baumarten vorhanden sind, welche Humusform es im Boden gibt, ob die Struktur der Wälder ein- oder mehrschichtig ist und schließlich der Zustand der Verjüngung. Dazu wird die Entwicklung auch digital getrackt, indem Daten aus Überflügen ausgewertet werden, aus denen ein 3D-Modell des Waldes erstellt wird. Im Fünf-Jahres-Abstand wird zudem die Verbesserung untersucht, die ja auch für die Höhe der Zukunftsprämie ausschlaggebend ist.

Aktuell gibt es durch den überwiegenden Kiefernbestand vor Ort nur oberflächlichen Rohhumus, wie Ludwig Pertl erklärt, der beim Projekt Life Future Forest ein Handbuch für nachhaltigen Waldumbau entwickelt hat. Diese Schicht speichert kaum Wasser oder Nährstoffe. Durch viele Laubbaumarten kann sich das aber ändern, da deren Blätter von Bodenlebewesen zersetzt werden. Ziel ist es, über die Zwischenstufe Moder einen Mullhumus zu schaffen, der tiefer in der Erde sitzt. Dies schafft nicht nur Lebensraum für Regenwürmer, sondern erhöht auch die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. „Der Diedersdorfer Dauerwald kann künftig mindestens 100 Liter mehr Wasser pro Quadratmeter speichern als konventionelle Flächen“, so Pertl. Dieses Wasser kann einerseits verdunsten, was die Temperatur im Wald verringert, fließt andererseits aber auch dem Grundwasser zu.
Dafür werden gezielt einzelne Kiefern entnommen, damit mehr Licht und Wasser in Schichten unterhalb der Kronen gelangen kann. Das bildet die Grundlage für nachwachsende Laubbaumarten wie etwa Linden und Hainbuchen und damit langfristig für einen selbst erhaltenden Mischwald. Dadurch kann der Wald in den ersten Jahren nicht mehr so intensiv bewirtschaftet werden wie es auf konventionellen Flächen üblich ist. Dort setzt die Zukunftsprämie an. Sie gleicht für einen Zeitraum von 15 Jahren zumindest einen Teil davon aus. Langfristig könnten aber Holzqualität und -menge sogar gesteigert werden, wie Experten bei der Projektvorstellung übereinstimmend berichteten.
Innerhalb des Dauerwaldes werden keine Vorgaben gemacht oder Verbote ausgesprochen. Vielmehr wird auf Tipps, Freiwilligkeit und messbaren Erfolg gesetzt. Das ist auch einer der Gründe, warum der Zossener Karsten Gäbert sich dem Projekt angeschlossen hat. „Das Angenehme ist, dass einem nichts aufgedrückt wird. Wenn man viel macht, kriegt man mehr Geld und wenn nicht, dann eben nichts.“ Die Zusammenarbeit kam zustande, nachdem in seinem Wald hiebreife Kiefern entnommen wurden und die Firma A. Dohrn & A. Timm auf ihn zugekommen sei, um zu schauen, inwieweit dort unterstützt werden könnte. „Wir dachten: Das passt ja perfekt. Und vielleicht ist es auch ein Anreiz für andere.“ Für den Landkreis lag die Zusammenarbeit auf der Hand, wie Teltow Flämings Landrätin Kornelia Wehlan sagt. „Wir haben eine besondere Verantwortung als kommunale Waldbesitzer.“ Das Projekt sei eine gute Gelegenheit, nicht nur Holz zu entnehmen, sondern einen nachhaltigen Waldumbau zu betreiben. Darüber biete das Projekt einen längeren Zeitrahmen als Förderprogramme, was auch gut für eine langfristige Waldbrandprävention sei.





