Wenn im Supermarkt die Musik ausgeht: Potsdam will „Stille Stunden“ einführen
Keine Musik aus den Lautsprechern, weniger grelles Licht, eine ruhigere Atmosphäre: Was für viele wie eine kleine Änderung im Supermarkt klingt, kann für Menschen mit Behinderung einen großen Unterschied machen. Mit sogenannten „Stillen Stunden“ will der Potsdamer Beirat für Menschen mit Behinderung das Einkaufen für lärm- und lichtempfindliche Menschen angenehmer und selbstständiger machen.
Mindestens einmal pro Woche sollen Geschäfte für eine Stunde auf Musik und aufdringliche Beleuchtung verzichten. Die Idee ist Teil der Kampagne „Teilhabe 2029“, die der Beirat zum Protesttag für Menschen mit Behinderung am 5. Mai gestartet hat. Unter der Schirmherrschaft der Potsdamer Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sind Unternehmen und Bürger aufgerufen, sich an verschiedenen Aktionen zu beteiligen.
Initiatorin der „Stillen Stunden“ ist die Arbeitsgruppe „Kopfkino“ des Beirats. Sie möchte in diesem Jahr mindestens zehn Geschäfte dafür gewinnen, das Angebot einzuführen. Gleichzeitig fragt die Arbeitsgruppe die Potsdamer Bevölkerung: Was braucht es für eine wirklich ruhige Einkaufsstunde? Welche Veränderungen sind besonders wichtig? Denn für Menschen, die empfindlich auf Geräusche oder Licht reagieren, kann ein gewöhnlicher Einkauf schnell zur Überforderung werden. Die „Stille Stunde“ soll hier eine einfache Möglichkeit schaffen, Barrieren abzubauen.
Inklusion soll im Alltag stattfinden
Die „Stille Stunde“ ist nur ein Baustein der Kampagne. Mit der Ausstellung „Familien wie wir“ werden zwölf Familien mit Kindern oder Eltern mit Behinderung porträtiert. Die Ausstellung verbindet gemalte Porträts mit Interviews zum Lesen und Hören. Aktuell macht sie Station an der Fachhochschule Potsdam. Weitere Ausstellungsräume werden gesucht.
Mit der Aktion „Helfende Hände“ möchte der Beirat Alten- und Pflegeeinrichtungen dafür gewinnen, mindestens zehn Menschen mit und ohne Behinderung ehrenamtliche Einsatzmöglichkeiten anzubieten.
Auch Kulturveranstaltungen stehen im Fokus: 20 Ehrenamtliche werden gesucht, die Menschen mit Behinderung zu Veranstaltungen begleiten. Denn wer auf Unterstützung angewiesen ist, kann häufig nicht ohne Weiteres an Konzerten, Theateraufführungen oder anderen kulturellen Angeboten teilnehmen.
Die Botschaft der Kampagne ist damit durchaus alltagstauglich: Teilhabe beginnt manchmal dort, wo eine kleine Veränderung einen großen Unterschied macht. Zum Beispiel dann, wenn im Supermarkt für eine Stunde die Musik ausgeht.
Wer sich an der Umfrage der Arbeitsgruppe „Kopfkino“ beteiligen möchte, findet sie unter kopfkino-potsdam.de/umfrage. Weitere Informationen zu allen Aktionen und Möglichkeiten zum Mitmachen gibt es unter teilhabe2029.de.






