Wohnviertel in Stahnsdorf soll musikalisch werden – und bekommt vielleicht die coolsten Straßennamen
In Stahnsdorf könnte künftig nicht nur gewohnt, sondern auch ordentlich gerockt werden – zumindest auf dem Briefkopf. Für die neun Planstraßen im künftigen Wohngebiet „Schmale Enden II“ hat die Gemeindeverwaltung eine ziemlich groovige Idee: Die Straßen sollen nach internationalen Musiklegenden benannt werden.
Die geplante Stahnsdorfer Straßen-Playlist liest sich dabei wie das Line-up einer ziemlich exklusiven Open-Air-Bühne: Tina Turner, Madonna Ciccone, Aretha Franklin, Annie Lennox, Debbie Harry, Elvis Presley, John Lennon, David Bowie und Freddie Mercury stehen auf der Liste. Vom Queen-Sänger bis zur Queen of Pop ist also fast alles dabei, was die Musikgeschichte hergibt.
Zwischen Bach und Bowie
Bürgermeister Bernd Albers begründet den Vorschlag mit einem einfachen Gedanken: Klassische Musik sei im Stahnsdorfer Straßenbild bereits vertreten, nun dürfe es ruhig etwas moderner werden. Und tatsächlich: Wer künftig etwa in der Freddie-Mercury-Straße wohnt, dürfte beim Ausfüllen seiner neuen Adresse zumindest musikalisch einiges hermachen. Auch eine Fahrt durch die David-Bowie-Straße hätte vermutlich mehr Glamour als der durchschnittliche Weg zum Supermarkt.
Besonders auffällig: Fünf der neun vorgeschlagenen Namen sind Frauen. Das ist kein Zufall. Frauen seien bei der Benennung von Straßen bislang deutlich unterrepräsentiert, erklärt Albers. Stahnsdorf wolle das als moderne Gemeinde ändern. Damit könnte das künftige Quartier nicht nur rocken, sondern zugleich ein kleines Denkmal für große Musikerinnen werden.
Nicht jeder Rockstar bekommt eine Premiere
Ganz exklusiv wäre das Stahnsdorfer Musikerquartett allerdings nicht. Elvis Presley, John Lennon und Freddie Mercury haben bereits mehrfach den Sprung auf deutsche Straßenschilder geschafft. Ihre Namen finden sich unter anderem in München, Essen und Bad Nauheim – insgesamt gibt es in Deutschland bereits zwölf Städte und Gemeinden mit Verkehrswegen, die nach einem dieser drei Rockstars benannt sind.
Aber für Tina Turner, Madonna, Aretha Franklin, Annie Lennox, Debbie Harry und David Bowie könnte Stahnsdorf dagegen Neuland betreten: Ihre Namen wären hierzulande auf Straßenschildern zumindest vorerst eine echte Rarität.
Erst der Bebauungsplan, dann die große Bühne
Bis die ersten Anwohner ihre Pakete in der neuen Aretha-Franklin-Straße entgegennehmen oder Besucher die Elvis-Presley-Straße ins Navigationsgerät tippen, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen. Denn im Gebiet Schmale Enden II ist zunächst noch einiges zu klären. Die Änderung des Bebauungsplans läuft weiter. Unter anderem sollen die Verkehrswege auf einen modernen Stand gebracht und sozialer Wohnungsbau in das Quartier integriert werden. Die Namen der neun Straßen sollen allerdings möglichst schon feststehen, wenn die Grundstücke baureif sind. Der entsprechende Beschlussvorschlag soll nach der politischen Sommerpause in die Gremien eingebracht werden.
Eine Frage bleibt natürlich offen: Wer darf am Ende die vielleicht begehrteste Adresse des neuen Viertels bewohnen? Die Madonna-Ciccone-Straße? Glamourös. Die Freddie-Mercury-Straße? Legendär. Die David-Bowie-Straße? Avantgardistisch. Oder doch die Elvis-Presley-Straße? Rock’n’Roll pur.
Fest steht schon jetzt: Wenn die Pläne durchgehen, dürfte Stahnsdorf künftig ein Wohngebiet besitzen, in dem selbst der Postbote eine kleine musikalische Weltreise macht. Und sollte sich irgendwann jemand über Verkehrslärm beschweren, könnte man zumindest entgegnen: Das ist kein Lärm! Das ist Kultur! Stahnsdorf jedenfalls stellt schon mal die Verstärker auf. Die Musik kann kommen.






