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Mittwoch, 14. Oktober 2026

35 Jahre: Startschuss für Märkisches Kinderdorf in Ludwigsfelde

Ludwigsfelde
hinter einem Baustellenschild steht eine ehemalige Krippe
Gleich 1991 begannen die Um- und Ausbauarbeiten der ehemaligen Kinderkrippe zum Märkischen Kinderdorf. 1992 zogen die ersten Kinder ein. Foto: Märkisches Kinderdorf e.V.

Am 13. Juni 1991 wurde der gemeinnützige Verein „Märkisches Kinderdorf“ gegründet. Das Jubiläum wird in diresem Jahr gleich mehrfach gefeiert. 

Auf den Tag genau vor 35 Jahren, am 13. Juni 1991, wurde der gemeinnützige Verein „Märkisches Kinderdorf“ in Ludwigsfelde gegründet. Das Kinderdorf, das in zentraler Lage in der Stadt noch im selben Jahr entstand, bietet inzwischen bis zu 35 Kindern und Jugendlichen von vier Jahren bis in die selbstständige Lebensführung einen sicheren Ort zum Leben – mit einem stationären Betreuungsangebot im 24-Stunden-Schichtdienst in familienähnlichen Strukturen. Seit der Gründung konnte dadurch 1.374 Kindern und Jugendlichen eine Chance gegeben werden. ​

Der Ausgangspunkt

Die Gründung war notwendig geworden, weil die Zustände im damaligen Heim im Schloss Märkisch-Wilmersdorf, einem Ortsteil von Trebbin, „nicht haltbar waren“, wie Hans-Erwin Baltrusch, Vorstandsvorsitzender des Vereins, berichtet. Dort waren bis zu 60 Kinder untergebracht, die sich teilweise zu sechst ein Zimmer teilen mussten. Im Bettensaal schliefen 20 Vorschulkinder, es gab nur drei Duschen, und 20 Jungen und Mädchen mussten sich eine Toilette teilen. Daher wurde von allen Beteiligten eine neue Unterkunft gesucht, die schließlich mit dem Gelände an der Salvador-Allende-Straße in Ludwigsfelde gefunden wurde, auf dem sich die ehemalige Wochenkrippe der Stadt befand. 

Um den Kindern so schnell wie möglich eine annehmbare Heimstatt bieten zu können, musste allerdings noch einiges verändert werden. Am 1. Oktober 1991 begannen die Umbauarbeiten und aus der alten Wochenkrippe mit Wellblech wurde bis zum 20. Dezember ein neues Domizil für bis zu 30 Kinder. Anfang Januar 1992 konnten die Kinder dann einziehen. Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer, eigene kleine Küchen, moderne Sanitäranlagen und ein großes Gelände, das im selben Jahr noch um einen Abenteuerspielplatz und einen Sportplatz erweitert wurde, waren eine deutliche Verbesserung. 

mehrere Personen halten eine Zeitkapsel in den Händen, bevor diese beim Bau bei der Grundsteinlegung versenkt wird
2019 legten der Vorstandsvorsitzende Hans-Erwin Baltrusch (links), Bürgermeister Andreas Igel und Geschäftsführerin Iris Wassermann den Grundstein für „Die Höhle“. 

Die Entwicklung

Wichtig war in den folgenden Jahren erst einmal, den Verein und das gesamte Angebot auf ein sicheres ökonomisches Fundament zu stellen, berichtet Vorstandsvorsitzender Hans-Erwin Baltrusch. Dazu gehörte für den Verein, das Grundstück zu kaufen, was 1998 auch geschah. Begleitend wurden die Kapazitäten vor Ort schrittweise ausgebaut – etwa mit zwei weiteren Wohnhäusern, dem neuen Stammhaus, einem Mehrzweckgebäude, dem Therapiehäuschen sowie der Begegnungsstätte „Die Höhle“. Zudem wurden auch die Freizeitmöglichkeiten auf dem Gelände erweitert: mit einem Grillplatz, Nestschaukel, Kletterwand, Kletterwald und Tischtennisplatte. Frühzeitig wurde zudem mit der pädagogischen Konzeptentwicklung begonnen, um auch geänderten Ansprüchen und Erkenntnissen gerecht werden zu können.  

Das Prinzip

Im Kinderdorf leben die Bewohner in kleinen Wohngruppen mit sechs bis acht Kindern. Die Häuser verfügen über Einzelzimmer, die die Kinder auch selbst gestalten können, Wohnzimmer, Küche, mehrere Bäder, Erzieherzimmer und Freizeitmöglichkeiten im Keller. „Diese stationäre Jugendhilfeeinrichtung mit ihrem dörflichen Charakter ist einzigartig im Landkreis“, betont Iris Wassermann, die seit 2002 beim Märkischen Kinderdorf tätig ist und seit 2010 als Geschäftsführerin fungiert. „Die Kinder kommen zum Teil aus Gefährdungssituationen, aber Eltern können auch Hilfen zur Erziehung beantragen, wenn sie beispielsweise überfordert sind“, erklärt sie. Das Hauptziel ist immer die Rückführung in den elterlichen Haushalt. Dafür wird nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Eltern gearbeitet. Ist die Rückführung keine Option, werden die Kinder aber auch bis zum Alter von regulär 18 Jahren und darüber hinaus auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet.

Dabei hat sich die Arbeit in den letzten Jahren stark verändert, berichten Baltrusch und Wassermann. „Die Probleme haben sich verschoben. Die Gruppe der Vier- bis Zwölfjährigen scheint größer zu werden.“ Zudem würden die Helfersysteme mit immer komplexeren Problemlagen konfrontiert, bei denen beispielsweise Gewaltbereitschaft, Trebegänge, Medikamenten- und andere Abhängigkeiten zusammenkommen. Die Kraft, mit diesen Herausforderungen umzugehen, ziehe das Team auch aus den Erfolgsgeschichten, die es dennoch immer wieder gebe, wenn nämlich die jungen Bewohner am Ende wirklich den Weg in eine selbstbestimmte und strukturierte Zukunft schaffen. 

Das Jubiläum

Und es gibt auch bei vielen ehemaligen Bewohnern eine andauernde Verbundenheit mit dem Kinderdorf. Das alljährliche Sommerfest, das in diesem Jahr am 28. August stattfindet, ist dann auch für viele ein herbeigesehnter Anlass, wieder vorbeizuschauen. Das Fest steht diesmal unter dem Motto „35 Jahre Märkisches Kinderdorf.“ Zuvor werden auch die Mitarbeiter bei einer Feier im Juni Gelegenheit haben, das Jubiläum zu begehen. Und für die Kinder und Jugendlichen gibt es im September eine Fahrt. 

Das 35-jährige Bestehen ist für den Verein auch eine Gelegenheit, sich bei allen Mitgliedern und all jenen Unternehmen und Förderern zu bedanken, die über die Jahre hinweg geholfen haben – sowohl mit Spenden als auch mit Arbeitsleistungen. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass die Erfolgsgeschichte nach 35 Jahren nicht vorbei ist. Mehr Informationen gibt es auf maerkisches-kinderdorf.de.

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