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Mittwoch, 7. Oktober 2026

Aus der Baracke an den Bahnhof

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Von links: Die langjährige Mitarbeiterin Sylvia Klossek und Geschäftsführerin Juliane Frank in der hellen und modernen Touristinformation am KWer Bahnhof.  Foto: Christina Petersen

Der Tourismusverband Dahme-Seen entwickelt seit 35 Jahren die Region zu einer lebens- und urlaubswerten Destination vor den Toren Berlins.​

Begonnen hat alles am 21. Februar 1991, als sich in der Gaststätte „Zum Grünen Baum“ in Wolzig aus dem Amt für Tourismus des Landkreises Dahme-Spreewald der „Fremdenverkehrsverband Dahmeland e.V.“ gründete. „In den ersten sechs Jahren war der Verband in einer Baracke am Nottekanal untergebracht. Die teilten wir uns mit dem DRK“, erinnert sich Sylvia Klossek, die seit 1993 mit von der Partie ist. ​

In der Baracke am Nottekanal war der damalige Fremdenverkehrsverband Dahmeland untergebracht.
Drei Räume hatten die Mitarbeiter des Verbandes damals zur Verfügung. Auf engstem Raum wurden dort Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben. Fotos: Archiv Tourismusverband Dahme-Seen e.V.

Bereits 1992 trat der Verband dem Landestourismusverband Brandenburg bei, beteiligte sich an der ITB und an der ILA. Ein großer Umbruch kam mit der Projektidee zum Aus- und Umbau des KWer Bahnhofsgebäudes im Rahmen der Komplexsanierung durch die DB AG als erster denkmalgeschützter Bahnhof in Brandenburg. Unterstützung erhielt das Projekt durch die Stadt sowie durch die GA Ost, Förderung touristischer Infrastruktur in Höhe von zwei Millionen D-Mark. Denn nach Fertigstellung konnte der Verband im Dezember 1997 in das sanierte Gebäude ziehen, benannte sich in „Kultur- und Tourismusverband Dahmeland e.V.“ um und eröffnete ein Jahr später im Nebenhaus die Touristinformation. 

Von selbstgemalten Schildern zu QR-Codes

In den letzten 35 Jahren hat sich viel getan, sind sich Sylvia Klossek und die Geschäftsführerin des Tourismusverbands, Juliane Franke, einig. „In den ersten Jahren ging es darum, die Infrastruktur aufzubauen“, erklärt Franke. Und dazu brauchte man viel Manpower, die man damals durch ABM-Kräfte bekam. Zwischen 30 und 40 Mitarbeiter arbeiteten in dieser Zeit daran, Privatunterkünfte zu klassifizieren, Wege anzulegen und auszuschildern und Wegbeschreibungen zu erstellen. „Früher haben wir die Schilder noch selbst gemalt“, so Sylvia Klossek. Aufmerksame Wanderer können diese sogar heute noch vereinzelt entdecken. So wurden beispielsweise Wegeleitsysteme – kommunal und außerorts – angelegt und Routenplaner für Aktivtourismus erstellt. „Die Anfangszeit war geprägt durch große Förderprojekte“, so Juliane Franke. 

Das waren zum Beispiel das 4-Wege-Projekt, welches bis 2000 gefördert wurde. In diesem Rahmen wurden Wanderwege zu Fuß, Rad, Wasser und zu Pferd angelegt. Oder aber das Projekt zur EXPO 2000 mit dem Titel „Umweltverträglicher Wasserstraßenverkehr im Großraum Berlin“. Von 2005 bis 2007 wurde der Landkreis mit dem IdeQua-EU-Projekt „Von der Ostsee bis zur Ägais“ Leadpartner der ILB. Ein weiterer Meilenstein für den Radtourismus war die Eröffnung des DahmeRadwegs und der Fahrradbrücke in Dolgenbrodt im Jahr 2007, die 2009 mit drei Sternen ausgezeichnet wurde.

„Damals wurden große Anstrengungen unternommen, die ja auch nötig waren. Es war ja nichts da“, betont Franke. „Das hat die Grundlagen gelegt, von denen wir noch heute zehren.“

Tourismusverband goes digital

Seit 2002 geht der Tourismusverband Dahme-Seenland mit seiner Domain www.dahme-seen.de auch digitale Wege. Ein bundesweiter Veranstaltungskalender, eine Buchungsplattform und das seit 2007 aufgesetzte Regionalportal mit Radnavigator und interaktiven Karten ermöglicht Urlaubern und einheimischen Entdeckungsfreudigen die unkomplizierte Navigation im Internet. „Der Aufbau der Basisinfrastruktur ist, bis auf ein paar kleinere Lückenschlüsse, mittlerweile abgeschlossen“, schätzt Juliane Franke ein. Mittlerweile liege das Hauptaugenmerk darauf, die Region digital erlebbar zu machen und „das ganze Portfolio in den digitalen Raum zu bringen.“ Auch die Arbeit hätte sich für die Mitarbeiter stark verändert. „Früher mussten wir noch selbst viel in der Region unterwegs sein, Wege abmessen, Radfahrer befragen und vieles mehr“, erklärt Sylvia Klossek. Heutzutage gehe so eine Umfrage einfach per QR-Code. „Um Flyer zu erstellen, musste man rumfahren, um die Einträge zu sammeln, Artikel einzeln zu setzen und zur Druckerei fahren. Das geht jetzt natürlich viel unkomplizierter.“ Heute arbeiten daran lediglich noch acht Mitarbeiter.

Papier ist nicht tot

Doch wer nun denkt, dass Print und persönliche Beratung völlig durch das digitale Angebot abgelöst wurde, der irrt: „Wir stellen zunehmend fest, dass unsere Kunden, die zu uns in die Tourismusinformation kommen, etwas in die Hand haben wollen“, betont Juliane Franke, die in diesem Jahr wieder mehr Flyer drucken ließ als in den Vorjahren. Auch Kartenmaterial sei wieder gefragt und die Kunden seien für einen persönlichen Tipp von einer Ansprechperson, die sich vor Ort auskennt, dankbar. Und dies ist nicht nur in dem eigentlichen Tourismusbereich zu verzeichnen. Über die acht Mitarbeiter des Tourismusverbandes laufen in der Info am KWer Bahnhof auch der Verkauf von RVS- und Veranstaltungstickets. „Auch wenn es die Angebote auch online gibt, kommen die Menschen gerne zu uns, um die Karten in Papierform zu erwerben – und das gilt nicht nur für unsere älteren Kunden“, so Franke augenzwinkernd.

Wald, Wasser & mehr

Dort wohnen, wo andere Urlaub machen – das gilt auch für die Menschen, die im Dahme-Seenland wohnen. „2016 haben wir erstmalig die Millionenmarke bei den Übernachtungen geknackt. Zurzeit liegen wir bei 1,8 Millionen“, erklärt Geschäftsführerin Juliane Frank. Besonders im Sommer ist das Dahme-Seenland für Touristen aus den Nachbarbundesländern, der Hauptstadt, aber auch für internationale Reisende einen Tagesausflug oder einen Urlaub wert. Auch die Eröffnung des BER und die daraus resultierende Strahlkraft, die zu Wirtschaftsansiedlungen im Umland geführt hat, ist für die steigenden Übernachtungszahlen verantwortlich. Das Dahme-Seenland ist auch deshalb die Region mit den meisten ausländischen Gästen in ganz Brandenburg. Nicht zuletzt natürlich auch die Nähe zu Berlin, mit all ihren kulturellen Möglichkeiten.​

Für die Touristen sind besonders der Wasserreichtum der Gegend und der damit verbundene Wassersport sowie Hausbooturlaub Anziehungspunkte. Aber auch die Dahme-Spreewälder, beziehungsweise Königs Wusterhausener selbst, führt es regelmäßig zu Juliane Frank und ihrem achtköpfigen Team in die Tourismusinfo. Denn das Thema Wandern hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. „Es gibt natürlich auch viele urbane Gegenden, aber wer möchte, kann nur ein paar Gehminuten außerhalb der Städte und Gemeinden allein mit der Natur sein“, schwärmt Frank. 

Tourismus im Dahme-Seenland steht und fällt mit den Menschen

Nach ihren Wünschen und Zukunft gefragt, fällt der gebürtigen KWerin sofort das Thema Nachwuchs ein. Wir hätten hier eine prosperierende Region, der es gut gehe mit einer attraktiven Landschaft. Aber alles stehe und falle mit den touristischen Angeboten wie Kulturveranstaltungen, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten. „Ich hoffe, dass sich in all diesen Bereichen Nachwuchs findet, der sich diese Branche zutraut. Da bin ich gespannt, wie es weitergeht.“ Schließlich sei auch die Pflege der vorhandenen Infrastruktur wichtig, wie die Instandhaltung von Rad- und Wanderwegen, Anlegestellen und vieles mehr, betont Juliane Frank mit einem Blick auf die nicht funktionierende Schleuse in der KWer Innenstadt. 

„Wenn wir den Wasserreichtum nutzen und vermarkten möchten, wird es schwierig, wenn alle in die Jahre gekommenen Schleusen dicht gemacht werden“, so Frank. Das Geld müsse also auch weiterfließen, um den gut laufenden Tourismus auch in Zukunft aufrechtzuerhalten.

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