Ein B(r)otschafter in der Mongolei
Der Merzdorfer Bäcker Stephan Sembritzki teilte das Wissen um sein Handwerk bei einem Workshop in Murun.
Keine Reise ohne Sauerteig – zumindest für den Bäckermeister Stephan Sembritzki aus dem Baruther Ortsteil Merzdorf ist das eine ganz natürliche Sache. Ende September/Anfang Oktober war er bereits zum zweiten Mal in der Baruther Partnerstadt Murun in der Mongolei, um mit Sauerteig, einigen Kilogramm Roggenmehl, Bäckerhefe und Backutensilien im Gepäck für kulinarische Völkerverständigung und den Austausch von Wissen zu sorgen. Dadurch wird es in absehbarer Zeit auch Brot nach mongolischem Rezept in Baruth und Umgebung geben. Und vielleicht kann Sembritzki auf diese Weise sogar Fachkräfte gewinnen.
Die Mongolei mit ihren weiten unberührten Landstrichen, in denen man eher einer Tierherde begegnet als anderen Menschen, hat es dem Merzdorfer Bäckermeister angetan. Er schwärmt von der weiten Landschaft, in der der Blick über 50 Kilometer absolut nichts außer Steppe und trockenem Gras zeigt, von wunderschönen Lärchenwäldern und schneebedeckten Hügeln am Horizont. Doch auch die Menschen und das einfache Leben haben Eindruck hinterlassen. „Wer hier im Osten zu DDR-Zeiten aufgewachsen ist, weiß, wie einfaches Leben geht und funktioniert. Darum ist mir das nicht schwergefallen“, sagt Sembritzki. In der Mongolei backen zu dürfen, das Land und die Menschen kennenzulernen, sei faszinierend gewesen. Sein Entschluss, im nächsten Jahr erneut hinzufliegen, steht daher längst fest.
Entstanden ist der Kontakt im Frühjahr 2024, als er vom Baruther Bürgermeister gefragt wurde, ob er seine Backstube einer Delegation aus Murun zeigen würde, was er gern machte. Im Herbst folgte sein erster Gegenbesuch in der Mongolei. Diesmal gab er in der Berufsschule in Murun einen Workshop zu Sauerteig und Blechkuchen. „Die Neugier war auf beiden Seiten sehr groß“, erinnert sich Sembritzki. „So ein riesiger Mann mit weißer Mütze und kurzer Hose steht vor sehr vielen neugierigen Augen und stellt sein Handwerk vor. Mich hat die Begeisterung der jungen Leute spürbar mitgerissen, genauso wie ihre Fingerfertigkeit im Umgang mit Brotteig. Es reichte eine kurze Vorführung und binnen Sekunden konnten sie fast genauso arbeiten wie ich.“
Schon im Vorfeld hatte er sich über die Rohstoffbedingungen vor Ort informiert und daher auch seine eigenen Zutaten mitgebracht. Zwar gebe es auch in der Mongolei Brote mit Sauerteig. Dieser werde aber aus Weizenmehl und mit Joghurt angesetzt und weitergeführt. Dadurch sei mongolisches Brot geschmacklich recht nüchtern, da der Weizensauerteig, nicht so viel Säure beinhaltet. Blechkuchen, wie es ihn in Baruth und Umgebung gibt, kennt man dort hingegen gar nicht. „Das war für die Schüler und Lehrer absolutes Neuland und für mich eine wahre Freude, ihn dort backen zu können“, beschreibt Sembritzki seine Erfahrung beim Workshop an der Lehrbäckerei der Muruner Berufsschule. „Gebacken haben wir klassischen Streuselkuchen, Bienenstich mit braunen Mandeln und Butter-Zucker-Kuchen.“ So warm der Kuchen auch war, wurde er gleich angeschnitten und verkostet – und sorgte für in die Höhe gereckte Daumen.
Praktikum bei Bäckern in Deutschland
„Die Faszination von den Fähigkeiten und Fertigkeiten der jungen Schüler hat mich die ganze Reise über begleitet und bis nach Deutschland verfolgt“, so der Bäckermeister. Von der Idee, in Merzdorf Lehrlinge aus der Mongolei auszubilden, ist er allerdings ganz schnell abgekommen. „Einem kleinen Handwerker werden hier in Deutschland so viel Steine in den Weg gerollt, dass diese Idee nicht zu realisieren ist. Es fängt mit den Sprachkenntnissen an, geht über Beherbergungsmöglichkeiten weiter, und der Jugendschutz hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden“, erläutert er seinen Gedankengang. Stattdessen möchte er ein Praktikum für einen Monat in Deutschland anbieten. „Die Praktikanten wären nicht so lange von zu Hause weg und würden nicht nur in einem Betrieb geschult. Sie sind mindestens 18 Jahre alt und die Kommunikation geht über englisch, russisch und mit Händen und Füßen recht ordentlich.“ Und die überall vorhandenen Smartphones würden mir ihren Übersetzer-Apps ebenfalls helfen.
Mongolisches Brot in Merzdorf
Stephan Sembritzki möchte demnächst in Merzdorf auch Brot nach mongolischem Rezept anbieten. „Da bin ich momentan mit mongolischen Bäckern und deutschen Brotsommeliers beim Erfahrungsaustausch über Ansatz, Führung und Veredlung. Das braucht noch etwas Zeit, da ich mein Tagesgeschäft auch aufrechterhalten muss.“ Und eventuell finde sich in Murun ein Bäcker, „der nach meinen Rezepten dort Merzdorfer Landbrot und leckeren Blechkuchen bäckt. Aus meiner Sicht bin ich für fast jeden Spaß zu haben“





