Mehr
Mittwoch, 15. Juli 2026

Ein Herz für Familien​

Dahme-Spreewald, Königs Wusterhausen
Birgit Uhlworm in den Räumlichen des SHIA e.V.in Königs Wusterhausen
Seit der Anfangszeit ist auch der Blickpunkt ein redaktioneller Unterstützer des SHIA e.V., wie man in dem gut geführten Archiv von Birgit Uhlworm nachvollziehen kann. In den Anfangsjahren geschah das noch durch den Blickpunkt-Redakteur Rainer Zieler. Foto: Christina Petersen

Seit 35 Jahren setzt sich der SHIA e.V. in Königs Wusterhausen für die Anliegen von Alleinerziehenden und ihren Kindern ein.​

Hilfe zur Selbsthilfe, Stärkung, Gleichstellung sowie Chancengleichheit für Alleinerziehende – das waren und sind die drei Hauptziele, die sich der SHIA e.V. setzt. Seit 35 Jahren gibt der Verein Alleinerziehenden eine Möglichkeit zur Vernetzung, bietet Hilfe in schwierigen Lebenssituationen und Freizeitangebote an. Denn allein hat man oft keine Chance, wie Birgit Uhlworm es immer wieder erlebt. Seit 1992 ist sie die Geschäftsführerin des am 30. Juni 1991 gegründeten SHIA e.V. Landesverbands Brandenburg (SelbstHilfegruppen Alleinerziehender). Was damals mit 15 Gründungsmitgliedern in der Wendezeit begann, ist heute ein Verein mit 50 Mitgliedern. ​

Gestartet ist der Verein mit einem Frauentreffpunkt und etwas später mit einem Treff für Alleinerziehende in den Kavaliershäusern. Später wurden die vier Räume, in denen auch ein Büro und ein Spielzimmer untergebracht waren, zu einem Frauen- und Familientreff. „Jeden Montag haben wir auch ein Frauenfrühstück angeboten“, erinnert sich Uhlworm. Das regelmäßige Treffen etablierte sich, und auch frisch zugezogene Frauen nutzten das Frühstück, um erste Kontakte zu knüpfen. 

„1991/92 gab es in den neuen Bundesländern ein Bundesprogramm zum Aufbau von Frauenverbänden. Von unseren ersten beantragten Geldern haben wir uns eine elektronische Schreibmaschine und einen Kopierer geleistet“, erinnert sich Uhlworm schmunzelnd.

Seit Oktober 1998 stellte die Stadt Königs Wusterhausen dem Verein erst einen, dann drei Räume in der alten Kita Spielspaß in der Rosa-Luxemburg-Straße zur Verfügung. Seit 1992 waren durchgehend vier ABM-Kräfte mit von der Partie, darunter auch Freizeitpädagogen. Nachdem Mitte der 2000er die Kavaliershäuser verkauft wurden und der Verein aus den Räumen ausziehen mussten, befindet sich SHIA nun in der Bahnhofstraße 4. 

Gefördert wird der Verein vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg. Allerdings hat sich die Unterstützung innerhalb der letzten drei Jahrzehnte nicht zum Besseren entwickelt. Bewilligungsbescheide gebe es, laut Uhlworm, oft nur jeweils für ein Jahr. Das macht die zukunftssichere Planung in einem Verein mehr als kompliziert. „Man darf auch nicht vergessen, was das mit den Menschen macht“, erklärt die 65-Jährige, die in diesem Jahr in den Ruhestand gehen möchte, in Hinblick auf Mitarbeiter und Vereinsmitglieder. Häufig erlebt sie Entscheidungsträger, die sehr freigiebig mit Worten seien, doch in der Realität passiere dann oft nichts.

Alles eine Frage der Prioritätensetzung

Dass das auch anders geht, erlebte Birgit Uhlworm in den 90ern, als Regine Hildebrandt Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg war. Oft sei sie in Königs Wusterhausen zu Besuch gewesen – interessierte sich für die Arbeit des Vereins und für die Lebensumstände von Alleinerziehenden. 

„Die Familie ist das Rückgrat der Gesellschaft“, ist die SHIA-Geschäftsführerin überzeugt. Das Thema hat aber, aus ihrer Sicht, merklich an Bedeutung verloren. Jedes Jahr würden immense Summen für Studien ausgegeben, um die Situation von Alleinerziehenden einzuschätzen. Mit immer demselben Ergebnis: 50 Prozent der Kinder im Bürgergeldbezug leben in Familien mit nur einem Elternteil. Kinderarmut sei deshalb auch gleichbedeutend mit Familienarmut, so Uhlworm. 

Erinnerungen schaffen, die bleiben

Deshalb ist es ihr und ihren Mitarbeitern so wichtig, Alleinerziehenden und ihren Kindern Erlebnisse zu ermöglichen. Regelmäßig werden bezuschusste Tagesausflüge und Familienurlaube angeboten. „Zusammen waren wir in all diesen Jahren regelmäßig zu Familienurlauben, auch in den KiEZen in Heidesee, im Spreewald Kanufahren oder Segeln auf dem Wolziger See. Das sind Erinnerungen, die zu den schönsten in meiner langjährigen Arbeitszeit gehören“, betont Uhlworm. Die Fotos davon hängen in Collagen in großen Bilderrahmen an den Wänden der KWer Geschäftsstelle. Ab und zu kommen auch Spenden rein, über die sich das Team besonders freut. „Von einer dieser größeren Spenden konnten wir unseren Wohnwagen am Helenesee verschönern oder Jahreskarten für den Berliner Tierpark finanzieren“, erklärt Uhlworm.

Nach ihren Wünschen gefragt, betont Birgit Uhlworm, dass das A und O Kontinuität und Verlässlichkeit seien – für den Verein, aber auch besonders für die Familien. Es sei wichtig, Angebote wie Ausflüge, Urlaube und Aktionen regelmäßig anbieten zu können. Das klappe aber nur mit einer verlässlichen Förderung. Und da hapere es ja regelmäßig. 

Kinder und Alleinerziehende fielen oft durch das Raster, so die gebürtige Thüringerin, die sich seit 33 Jahren auch für paritätische Besetzung stark macht. Auch in diesem Bereich sieht sie Nachholbedarf: „In der DDR war das kein Thema – Gleichberechtigung war eine klare Sache und Angebote für Familien zu schaffen eine gesellschaftliche Aufgabe. Frauen wurden unterstützt, das war gesetzlich so festgehalten“. Das sei heute natürlich auch so. Aber Birgit Uhlworms Gefühl sei immer mehr, dass man sich die Gleichberechtigung heutzutage erkämpfen müsse. Als Alleinkämpferin sei man da oft auf einem schlechten Posten. „Klar ist das auch anstrengend. Deshalb tun sich das viele junge Frauen auch nicht an“, erklärt Birgit Uhlworm.

Auch deshalb seien Angebote, wie die, die der SHIA e.V. schafft, so wichtig für die Gesellschaft. Alleinerziehende können in dieser Struktur von einer gelebten Gemeinschaft, Zusammenhalt und Unterstützung profitieren. Jährlich nehmen die Mitarbeiter 1.000 bis 1.200 Anrufe entgegen und empfangen 150 bis 200 Alleinerziehende in der KWer Geschäftsstelle – Menschen, die ein offenes Ohr und die daraus resultierende Hilfe zu schätzen wissen.

Kontakte und Angebote

SHIA e.V. – Landesverband Brandenburg
Bahnhofstraße 4,
15711 Königs Wusterhausen
03375 294752
post@shia-brandenburg.de​

Die Mitarbeiter sind zu den Sprechzeiten von Montag bis Freitag, 8 bis 13 Uhr sowie Dienstag zusätzlich von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung für Besucher da.
Mehr Informationen zu den Angeboten des Vereins gibt es auf shia-brandenburg.de.

Spendenkonto
IBAN: DE95100205000003330300
BIC: BFSWDE33BER

Affe

Tiergarten Teltow: Neue Ferienattraktion verbindet Spielspaß, Wissen und Abenteuer

Der Tiergarten Teltow erweitert sein Angebot um eine neue Attraktion für Familien, Freundesgruppen und kleine Teams. In Zusammenarbeit mit dem...
Veranstaltungsplakat

Molière-Klassikerim Klosterhof

Mit „Der eingebildete Kranke“ bringt „theater 89“ eines der bekanntesten Werke von Jean-Baptiste Molière auf die Bühne. Die Komödie, die...
Kicker

Karriere Kick Potsdam​: Ausbildungsbetriebe und Schüler an einem Kickertisch

Der Karriere Kick Potsdam setzt auf ein ungewöhnliches Format: Am 22. Januar 2027 treffen von 9.00 bis 13.30 Uhr Schüler...
Karte

L 70 in Trebbin ab Montag gesperrt

Von Montag, 20. Juli, bis voraussichtlich Freitag, 31. Juli, ertüchtigt der Landesbetrieb Straßenwesen die Landesstraße L 70 in den Bereichen...
Naturschutzgebiet

Moorland unter Trockenstress

Das Naturschutzgebiet Zarth gehört zu den bedeutendsten Moor- und Feuchtgebieten Brandenburgs. Seit fast zwei Jahrzehnten werden dort die Entwicklung der...
IMG-20260715-WA0006

Alarmstufe Rot für Potsdams Gewässer: Stadt untersagt Wasserentnahme

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der dramatisch gesunkenen Wasserstände hat die Landeshauptstadt Potsdam die Entnahme von Wasser aus Seen, Flüssen...
Offcanvas