Eine Auszubildende überwindet Grenzen
Widad Hamdaoui kam aus Marokko direkt nach Mittenwalde zum EDEKA-Logistikstandort. Hier macht sie eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin – mit reichlich Unterstützung der Mitarbeiter vor Ort.
Für manche ist Mittenwalde nur ein Ort in Brandenburg – für Widad Hamdaoui war es der Beginn eines völlig neuen Lebens. Die 24‑Jährige kam im November 2024 aus Marokko nach Deutschland, um am hiesigen Logistikstandort eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin zu beginnen.
Schon ihre Bewerbung fiel auf. Arthur Höckendorf, ehemaliger Ausbilder am Standort Mittenwalde, erinnert sich gut daran. Die Unterlagen waren vollständig, sorgfältig vorbereitet, inklusive Zertifikaten und einem B2‑Sprachnachweis. „Man hat sofort gesehen, dass sie sich intensiv mit dem Berufsbild beschäftigt hat“, sagt er. Dass Widad Hamdaoui sich direkt aus Marokko beworben hatte – ohne Agentur, ohne Vermittler – war für den Standort eine Premiere.
Bevor es zur Zusage kam, standen mehrere digitale Gespräche an: ein erstes Kennenlernen, ein Infotermin zu Motivation und Erwartungen, schließlich das eigentliche Vorstellungsgespräch. Ein Dolmetscher begleitete den Prozess, denn parallel liefen Visa‑Verfahren und behördliche Abstimmungen. Dank des beschleunigten, aber ebenso aufwendigen Fachkräfteverfahrens konnte Widad Hamdaoui bereits am 1. November 2024 ihre Ausbildung beginnen – ohne dieses Verfahren hätte es Jahre dauern können.
Als sie am 5. November in Deutschland landete, ging alles schnell. Mitarbeiter fuhren direkt mit ihr zur neuen Wohnung, um Mietvertrag und Ausstattung für Sie zu prüfen. Auch die eigenen Azubis aus dem Büromanagement packten mit an: Einwohnermeldeamt, Krankenkasse, Bankkonto – all das musste in den ersten Tagen erledigt werden.
Die ersten Eindrücke waren intensiv: ein neues Land, ein anderes Klima, eine fremde Sprache. Doch Widad Hamdaoui ließ sich nicht beirren. „Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe“, sagt sie heute. Besonders die praktische Arbeit begeistert sie – Be‑ und Entladen, auf der Straße unterwegs sein und die Region und ihre Märkte mehr und mehr kennenlernen. Der Lkw‑Führerschein ist das nächste große Ziel – bis dahin begleitet sie ihr Ausbildungsfahrer Marco Schadewitz.
Ein engagierter Wegbegleiter an ihrer Seite
Eine besondere Rolle in der Ausbildungszeit von Widad Hamdaoui spielt ihr Ausbildungsfahrer Marco Schadewitz – der seit zwölf Jahren bei der EDEKA Minden-Hannover und insgesamt seit 25 Jahren auf dem Lkw unterwegs ist. Schadewitz begleitet sie nicht nur fachlich, sondern engagiert sich weit darüber hinaus. Wenn der Bus mal ausfällt, holt er sie ab. Seine Frau und er haben Widad auch schon mal privat eingeladen, um ihr die Region zu zeigen. „Irgendwann wollen wir gemeinsam auf den Fernsehturm“, erzählt er.
Warum er sich so engagiert? „Mich hat der Ehrgeiz gepackt“, sagt Marco Schadewitz. „Sie ist nicht die alltägliche Auszubildende. Aus einem Rohdiamanten eine richtig gute Kraftfahrerin zu machen – das reizt mich.“ Für ihn sei es wichtig, dass ein Azubi, noch dazu in einem völlig fremden Land, nicht ständig wechselnde Ansprechpartner hat. Stabilität, Verlässlichkeit und Sprache – das seien die Schlüssel. „Man muss reden, reden, reden. Nur so kann man hier richtig Fuß fassen.“
Sein Einsatz zeigt Wirkung. Widad Hamdaoui bestand ihre Zwischenprüfung mit starken 85 Prozent. Marco Schadewitz hatte mit ihr gelernt, erklärt, wiederholt – und sich „unglaublich reingefuchst“, wie Höckendorf anerkennend sagt.
Gelebte Fachkräftegewinnung
Widad Hamdaouis Geschichte ist mehr als ein außergewöhnlicher Ausbildungsstart. Sie zeigt, wie internationale Fachkräftegewinnung funktionieren kann, wenn Motivation der beteiligten Mitarbeiter, Unterstützung am Standort und echtes Interesse auf allen Seiten zusammenkommen.
Sie selbst sagt, dass es ihr Wunsch war, Berufskraftfahrerin zu werden – ein Beruf, der Frauen in Marokko nur schwer offensteht. In Deutschland hat sie die Chance, ihren Weg zu gehen – und die nutzt sie. Ihr Ausbildungsabschluss ist für Winter 2028 geplant. Bis dahin wird sie noch viele Kilometer sammeln – auf der Straße und in ihrer persönlichen Entwicklung.






