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Sonntag, 6. September 2026

Glindowerin veröffentlicht Roman „Warum fällt das Gras nicht um“

Glindow, Werder (Havel)
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Juliane Ratz-Breil mit ihrem Roman „Warum fällt das Gras nicht um“. Foto: Juliane Keiner

Mit ihrem Roman „Warum fällt das Gras nicht um“ widmet sich die Glindower Autorin Juliane Ratz-Breil einem lange kaum beachteten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: dem Schicksal osteuropäischer Zwangsarbeiter und den Folgen, die diese Zeit bis in die Gegenwart einzelner Familien hinein entfaltet.​

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Ingo, der als Fünfjähriger im Nachkriegsdeutschland nur ein einziges Mal seine Mutter trifft. Der Zweite Weltkrieg ist seit drei Jahren vorbei, als eine junge Frau in einem Auto vor dem Haus der Großeltern erscheint – fremd, lebensfroh, „bunter als die Frauen im Dorf“. Doch der Besuch bleibt kurz. Auf die Frage des Kindes, ob sie ihn mitnehmen werde, reagiert die Mutter abweisend. Danach verschwindet sie aus seinem Leben.

Erst Jahrzehnte später beginnt Ingo, der inzwischen erwachsen ist, nach den Gründen zu suchen. Getrieben von innerer Unruhe und später von Panikattacken, macht er sich auf die Suche nach seiner Herkunft. Seine Spur führt ihn zu einer verdrängten Liebesgeschichte zwischen seiner Mutter und einem ukrainischen Zwangsarbeiter namens Juri – und schließlich bis in die Ukraine selbst.

Der Roman erzählt damit nicht nur die Geschichte eines verlassenen Kindes und einer traumatisierten Mutter, sondern auch von einer verbotenen Liebe in den letzten Kriegsjahren, deren Konsequenzen über Generationen nachwirken. Ingo erkennt dabei, wie sehr persönliche Lebenswege von historischen Gewalterfahrungen geprägt sein können.

Juliane Ratz-Breil verbindet in ihrem Werk individuelle Schicksale mit einem historischen Hintergrund, der ihrer Ansicht nach im öffentlichen Bewusstsein noch immer zu wenig verankert ist. Die Autorin, selbst Psychotherapeutin, beschreibt, wie stark familiäre und gesellschaftliche Geschichte ineinandergreifen. Auch eigene biografische Erfahrungen mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs fließen in ihre Arbeit ein. Juliane Ratz-Breil möchte mit ihrem in einer klaren Sprache geschriebenen Roman unterhalten und gleichzeitig zeigen, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden bleiben.

Die Idee zum Roman entstand bereits vor vielen Jahren nach Begegnungen und Recherchen zur Geschichte von Zwangsarbeit in Europa. Über lange Zeit hinweg entwickelte Ratz-Breil den Stoff weiter, bis schließlich die nun veröffentlichte Fassung entstand. Unterstützt wurde sie dabei auch von kritischem Lektorat aus dem persönlichen Umfeld.

Nach „Ein trödelnder Fluss“ mit Skizzen über die Gegend um Potsdam ist „Warum fällt das Gras nicht um“ der erste Roman der Autorin. Das Buch umfasst 356 Seiten und ist im Handel sowie online für 25 Euro erhältlich. Eine Lesung mit musikalischer Begleitung findet am 25. Juni um 19.00 Uhr im Kaffee Kontor Werder statt.

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