Mit Drohne und Teamarbeit gegen den Mähtod von Rehkitzen
Die heiße Phase ist für die Rehkitzrettung Brandenburg e.V. vorbei. Die Anfragen zur Absuche von Wiesen zur Futtergewinnung vor der Mahd werden weniger. Ein Highlight steht aber noch aus. Die Suche nach Rehkitzen im Schlosspark Sanssouci.
Die Mitglieder und Helfenden des Vereins Rehkitzrettung Brandenburg suchen ehrenamtlich die Wiesen vor der Mahd ab. Ein kostenloses Angebot an die Landwirte im Land. Mit einer Wärmebildkamera ausgestatteten Drohne werden die Flächen abgeflogen. Entdeckt der Drohnenpilot ein Kitz, kommt das Wiesenteam zum Einsatz. Dann heißt es aufspüren und sichern. Die Kitze werden mit Einmalhandschuhen und Gras aus ihren Verstecken in den Wiesen gehoben und in eine Box gesetzt. Die Box wird am Wiesenrand in den Schatten gestellt. Nach der Mahd dürfen die Kitze zurück in die Freiheit, gehen sozusagen „rehtour“.
Für die Landwirte und Traktoristen ist es oft eine große Erleichterung, wenn sie wissen, dass kein Rehkitz in der Wiese liegt. Zum einen ist das Vermähen von Kitzen eine unvorstellbare Qual für die Tiere. Nicht immer führen die Verletzungen zum sofortigen Tod. Die Mütter der Kitze, die Ricken, können durch den Verlust ihres Kindes Milchfieber erleiden. Zum anderen ist das Gras als Futter für die Tiere der Landwirte gedacht. Schafe, Kühe und Pferde können schwer erkranken, wenn ein Kadaver im Futter steckt. Er kann bei den Tieren zu Botulismus führen, eine zumeist tödlich endende Krankheit. Immer wieder ist von Landwirten zu hören, die einen Teil ihrer Tiere auf diese Art verlieren. Die Flächen im Vorfeld abzusuchen, bringt viele Vorteile!
Dabei muss mit den Wildtieren behutsam und fachgerecht umgegangen werden. Es dürfen sich keine Gerüche vom Menschen auf das Kitz übertragen. Die Mitglieder des Vereins Rehkitzrettung Brandenburg werden geschult, bevor es in den Einsatz geht. Doch warum laufen die Kitze bei Gefahr nicht einfach davon? Weil die Natur es anders vorgesehen hat. In den ersten Lebenstagen haben Rehkitze einen sogenannten Drückinstinkt. Bei Gefahr drücken sie sich tief in den Boden. Sie haben keine Witterung, der Fuchs würde glatt einen halben Meter an ihnen vorbeilaufen. Die weißen Punkte auf dem Rücken reflektieren das Sonnenlicht. Mähwerke hatte die Natur nicht auf dem Plan. Wegducken hilft da nicht. Sind die Kitze etwas größer, laufen sie ein paar Meter davon. Schlagen einen Bogen und gehen wieder zu der Stelle zurück, an der sie lagen. Diese Kitze sind schon größer und können auch gar nicht immer eingefangen werden. Dann kommt das begleitete Mähen zum Einsatz. Die Drohne fliegt vor dem Traktor her, der Pilot gibt an den Traktoristen Anweisung, wie er das Kitz sicher umfahren kann.
Das alles ist geld- und zeitaufwendig. Rund 250 Einsätze waren es bereits in diesem Jahr. Auch in Potsdam-Mittelmark war der Verein sehr aktiv. Zum Beispiel bei Groß Kreuz, Beelitz, Werder / Plessow, Saarmund, Nuthewiesen bei Potsdam, Golzow, um nur einige zu nennen.
Wer Rehkitze retten möchte, muss mit wenig Schlaf auskommen. In der noch laufenden Saison gab es fast jeden Morgen mehrere Einsätze im ganzen Land. In der Kühle der Nacht liefert die Wärmebildkamera die besten Ergebnisse. Deshalb heißt es früh raus aus den Federn. Ist die Suche beendet, fährt im optimalen Fall der Traktor mit dem Mähwerk sofort auf die Fläche und mäht.
Nun sind die Rehkitze bald groß genug, um selbst vor Gefahr zu flüchten. Noch Ende Juni wurden erst wenige Tage alte Rehkitze gefunden, doch so langsam haben alle Ricken gesetzt, bald sind alle Jungtiere groß genug, um der Mutter zu folgen.
„Wir können die Tierkinder nur vor der Mahd retten. Sehr wahrscheinlich wird das eine oder andere vom Wolf gefressen, vom Jäger geschossen oder vom Auto überfahren. Es gibt viele Gefahren für Wildtiere. Eine Gefahr für Jungtiere fiel uns in diesem Jahr aber besonders auf. Nicht angeleinte Hunde. Wenn unsere Arbeit erledigt ist und wir einpacken, werden wir oft Zeugen der ersten Gassi-Runden. Für Hasen und Kitze ist es fatal von einem Hund aufgestöbert zu werden. Selbst wenn der Hund nicht jagt, sondern das Kitz „nur“ putzt, bringt er es damit in Lebensgefahr. Denn die Mutter nimmt das nun nach Hund riechende Kitz nicht mehr an. Auch für bodenbrütende Vögel, die von uns markiert werden, damit sie umfahren werden, ist die Bekanntschaft mit Hunden kein Vorteil. Und, zurück zum Anfang, das Heu wird an Tiere verfüttert. Wer mag es schon, wenn jemand durch seinen Teller läuft“, berichtet die Ehrenamtlerin Silvia Passow.
Einer der letzten Einsätze findet traditionell rund ums Schloss Sanssouci statt. Da wird zwar selten noch ein Kitz gefunden. Dafür ist die Aussicht, Schloss in aufgehender Sonne, besonders reizvoll.
Weitere Informationen gibt es online unter https://rehkitzrettung-brandenburg.com/.






